Emden
Kritik an Werbung

Bauern blockierten Edeka-Lager

Komiker Otto Waalkes wirbt zum 100-jährigen Bestehen der Regionalgesellschaft Edeka Minden-Hannover mit dem Spruch "Essen hat einen Preis verdient: den niedrigsten". Der Konzern spricht jetzt von einem Missverständnis.

Von Johannes Booken

Wiefelstede/Ostfriesland/Emden. Edeka hat nach einer Demonstration von Landwirten Werbeplakate entfernen lassen. Zuvor hatten Hunderte Bauern vor einem Edeka-Lager im Landkreis Ammerland demonstriert und damit die Auslieferung von Waren verzögert. Noch ist unklar, welche Auswirkungen der Protest auf die Edeka-Märkte in Emden und Umgebung nahm.

Anlass für den Ärger der Bauern war ein Werbeplakat, auf dem der Komiker Otto Waalkes zum 100-jährigen Bestehen der Regionalgesellschaft Edeka Minden-Hannover mit dem Spruch "Essen hat einen Preis verdient: den niedrigsten" wirbt. Für den Nachmittag wird eine Stellungnahme von Waalkes erwartet.

Am Montagmittag nahm derweil Edeka Stellung. "Es war nie unsere Absicht, mit unserer Kampagne Landwirte und Erzeuger zu verärgern", heißt es in der Mitteilung. Bei dem Plakat handele es sich um ein Missverständnis. "Ziel der Marketingkampagne war es, alle Ortschaften, wie auch Minden oder Bremen in unserem Absatzgebiet individuell anzusprechen. Es war somit eindeutig der Ort 'Essen/Oldenburg' gemeint und nicht Essen im Sinne von Lebensmitteln", teilte das Unternehmen mit. Weiter heißt es, dass die angekündigten Preisreduzierungen der Produkte nicht zu Lasten der Landwirte gehen würden, sondern  ausschließlich von der Großhandlung getragen werden sollen. Die Plakate, die zu dem Missverständnis geführt haben, ließ Edeka nach den ersten Hinweisen umgehend entfernen.

Die Werbung stehe in krassem Widerspruch zu der Aussage, dass Lebensmittel eine höhere Wertschätzung verdient haben, sagte eine Sprecherin des Landvolks. Die Werbung passe "in keiner Weise zu der Aussage "Wir lieben Lebensmittel". Es handelte sich nach Angaben der Landvolk-Sprecherin um eine spontane Demo. Zu Zwischenfällen kam es laut Polizei nicht. Die Proteste dauerten vom späten Sonntagabend bis etwa 4.00 Uhr am Montagmorgen.

Niedersachsens CDU-Landtagsfraktionschef Dirk Toepffer kritisierte die Kampagne als "beschämend". Lebensmittel hätten einen Preis verdient, der ihren Wert widerspiegele und den Landwirten ein vernünftiges Auskommen sichere. Toepffer sagte: "Die Kampagne von Edeka ist beschämend und zeigt, dass der Konzern es nicht verstanden hat." Er erwarte, dass sich Edeka bei den Landwirten entschuldigt, sich von der Kampagne distanziert und diese stoppt.

Viele Bauern protestieren seit Monaten gegen eine geplante Verschärfung der Düngeregeln. Sie fürchten geringere Erträge. Die EU-Kommission hatte im Sommer an die Bundesregierung appelliert, mehr gegen die Verunreinigung des Grundwassers durch zu viel Dünger zu unternehmen. Gelingt das nicht, drohen Deutschland Geldstrafen in Millionenhöhe. 

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