Emden

Bahn blockiert: Silvester-Urlauber im Stress

Strecke zwischen Emden und Norddeich war gestern den ganzen Tag gesperrt. Von MARTEN KLOSE und GÜNTHER GERHARD MEYER

Emden/Norddeich. Ein Unfall am Bahnübergang in Loppersum hat gestern den Bahnverkehr auf der Strecke zwischen Emden und Norddeich vollständig zum Erliegen gebracht. Rund 20 Züge fielen aus. Für mehrere Hundert Silvester-Urlauber wurden Ersatzbusse eingesetzt. Trotzdem ging es auf dem Emder Bahnhof zeitweise chaotisch zu.

Gegen 8.30 Uhr hatte sich ein offenbar zu hoch hinausragender Greifarm eines Spezial-Lasters in der Strom-Oberleitung verfangen, als der Lkw den Bahnübergang Loppersumer Straße überqueren wollte. Ein aus Emden kommender Personenzug mit rund 20 Fahrgästen fuhr noch durch den beschädigten Bahnübergang, wurde jedoch anschließend automatisch ausgebremst. Die Loppersumer Feuerwehr geleitete die Fahrgäste zu einem herbeigerufenen Bus, der sie zum Zielort brachte.

Die Oberleitung wurde derart beschädigt, dass die Strecke für den ganzen Tag gesperrt blieb. Betroffen waren davon rund 20 Regionalexpress- und Intercity-Züge, wie Bahn-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis auf Anfrage der Emder Zeitung sagte. Vier Busse wurden eingesetzt, die die Reisenden von Emden nach Norddeich beziehungsweise zurückfuhren. Für die Urlauber bedeutete das zum Teil erhebliche Verzögerungen. ”Es ist im Moment witterungsbedingt schwierig”, erklärte Meyer-Lovis. Die Busse könnten die ausgefallenen Züge nicht ersetzen.

Lange Wartezeiten

Das wurde gestern auch am Emder Busbahnhof deutlich. Dort standen die Reisenden mit Koffern und Reisetaschen und warteten auf die Busse. Viele Urlauber ärgerten sich, dass sie nur unzureichend von der Bahn informiert wurden. Niko Nöst (17) aus Nienburg wollte eigentlich mit seinen Freunden über Silvester ein paar Tage nach Norden fahren. ”Wir warten jetzt schon seit einer Stunde auf den Bus. Keiner kann uns sagen, wann es hier weitergeht.” Maike Gördes aus Emden wollte mit ihrer Familie nach Norderney fahren. ”Im Gegensatz zu anderen haben wir es noch gut, weil mein Mann uns später mit dem Auto zum Anleger bringt.” Auch sie beklagte die fehlenden Informationen durch Bahnmitarbeiter.

Die beiden Norder Silke und Eckard Lüers wollten gestern Morgen nach Köln fahren. Als der Zug nach Emden ausfiel, nahmen sie das Auto. ”Und hier in Emden erfahre ich, dass der Anschlusszug Richtung Münster auch nicht fährt. Das ist einfach ärgerlich”, sagte Eckard Lüers. Viele Reisende waren wütend, dass das Bahnpersonal die Informationsschalter um Punkt 12.30 Uhr zur einstündigen Mittagspausen schloss. ”Und wir stehen hier in der Kälte und wissen nicht, ob es heute überhaupt noch weitergeht”, erregte sich ein Mann. Beklagt wurde auch, dass keine Bahnmitarbeiter am Bussteig standen, um Auskünfte zu geben und dass es keine Aushänge gab.

Bahnsprecher Meyer-Lovis sagte, dass es nur schwer möglich sei, kurzfristig Plakate mit Fahrplanänderungen zu drucken. Damit es für die Reisenden aber nicht zu allzu großen Verspätungen komme, habe man mit örtlichen Busunternehmen Verträge geschlossen, die einspringen, wenn Züge ausfallen. Meyer-Lovis: ”Diese Busfahrer stehen aber nicht ständig auf Abruf, so dass es immer zu Verzögerungen kommen kann.”

Die Fähren von Norddeich nach Norderney und Juist waren durch die gesperrte Zugstrecke allerdings nicht betroffen. ”Wir fahren nach Plan”, sagte Ralf Ackermann, Mitarbeiter der Reederei Norden-Frisia, gestern Nachmittag auf Anfrage. Die Fähren führen in so geringem Zeitabstand, dass es für die Reisenden kaum zu Wartezeiten komme. Möglicherweiserweise könne es bei den letzten beiden Schiffen nach Norderney und Juist zu Verzögerungen kommen. Ob eine zusätzliche Sonderfähre eingesetzt wird, konnte Ackermann noch nicht sagen. ”Wir haben aber auch die Möglichkeit, die Abfahrt etwas hinauszuzögern.”

Derweil arbeiteten die Bahntechniker mit Hochdruck an der Reparatur der Oberleitung. Zuvor hatte die Feuerwehr die seitlich an den Waggons herabhängenden Oberleitungen geerdet. ”Es gibt in solchen Fällen eine automatische Stromabschaltung. Es bleibt aber eine Restspannung”, sagte Gemeindebrandmeister Jan Gerhard Diekena. Eine Gefahr durch Stromschläge bestand nach Angaben des Notfallmanagers der Deutschen Bahn, Jens Fiebig, nicht. Denn die Passagiere befänden sich in einem so genannten Faraday'schen Käfig, ähnlich wie die Insassen eines Autos bei Blitzeinschlag bei einem Gewitter.

Bahnsprecher Meyer-Lovis hofft, dass die Leitung bis heute repariert ist und alle Züge wieder planmäßig fahren können.

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