Emden

Abwahl von Dominke: „Eine Befreiung!”

Vizepräsidenten übernehmen Aufgaben der Präsidentin

Von EZ-Redakteurin

INA WAGNER

Tel. 89 00 42

Emden. Nach der Abwahl der Präsidentin der Fachhochschule Oldenburg / Ostfriesland / Wilhelmshaven (FHOOW), Vera Dominke, herrschte gestern in Emden das „Gefühl der Befreiung” vor, wie verschiedene Professoren übereinstimmend sagten.

Dominke war am Dienstag mit einer Mehrheit von 16 zu 3 Stimmen vom Senat der Hochschule abgewählt worden. Entscheiden Hochschulrat und Wissenschaftsministerium in gleicher Weise, dann ist ihre zweijährige Amtszeit vorzeitig zu Ende. Dominke hatte sich gestern krank gemeldet, wie ihre Stellvertreterin, Vizepräsidentin Christiane Claus, auf Anfrage erklärte.

Oberbürgermeister Alwin Brinkmann machte gestern deutlich, dass er von der Entscheidung nicht überrascht sei. „Ich wusste, wohin die Reise geht.” Allerdings sei der Prozess bis zur Abwahl für die Hochschule quälend gewesen. Brinkmann, der für die Fachhochschule die Perspektive sieht, die bestehende Fusion aufzulösen und nur noch in bestimmten Bereichen der Verwaltung oder projektbezogen eine Zusammenarbeit anzustreben, betonte dabei die dringende Notwendigkeit, den Standort Emden / Leer zu stärken. Dazu benötige man eine Führungspersönlichkeit, die „den Laden zusammenhält”.

Hervorragende Basis

ähnlich sieht das auch der Dekan des Fachbereichs Technik, Professor Dr. Gerhard Kreutz. Eine Persönlichkeit mit hohen integrativen Fähigkeiten sei erforderlich, um die Fachhochschule zu repräsentieren und den einzelnen Standorten gerecht zu werden. Dabei sei es gleich, ob die Fachhochschul-Fusion in ihrer jetzigen Form mit fünf Standorten Bestand habe oder eine Rücknahme dieses Gebildes erfolge. Der Standort Emden / Leer biete in jedem Fall „eine hervorragende Basis für die wissenschaftliche Arbeit” und sei in sich zukunftsfähig. Daher sei er nunmehr sehr optimistisch, dass sich das Blatt für die Einrichtung zum Guten wende.

Die Kritik an Vera Dominke richtete sich vor allem gegen ihren Führungsstil und die Art, die Hochschule nach außen, aber auch gegenüber dem Ministerium zu vertreten. So stieß sie mit ihrem Konzept einer Neustrukturierung im Wissenschaftsministerium auf kategorische Ablehnung.

Die Tatsache, dass eine solch große Mehrheit sich gegen die Präsidentin ausgesprochen hat, wird als Indiz gesehen, dass sich Dominke auch an den anderen Standorten Oldenburg und Wilhelmshaven unglücklich präsentiert hat. So wird etwa kolportiert, dass sie unvorbereitet in wichtige Sitzungen gekommen sei, offenbar in dem Glauben, sie könne aus dem Stand heraus die Situation im Griff behalten.

Eine gedrückte Stimmung war dem Landtagsabgeordneten Hans-Dieter Haase (SPD) jüngst bei einem Besuch der verschiedenen Hochschulstandorte aufgefallen. An der Abwahl Dominkes überrasche ihn daher auch weniger die Tatsache an sich, sondern allenfalls die große Stimmenmehrheit gegen die Präsidentin. „So deutlich hatte ich das nicht erwartet.”

Haase gibt sich selber als Befürworter einer Entflechtung der Hochschulen zu erkennen. „Als Ostfriesen können wir es uns nicht leisten, dass Emden womöglich nur noch ein Anhängsel ist.” Vordringlich aber sei es, dass zunächst die vakanten Professoren-Stellen besetzt werden. Hierbei handle es sich mittlerweile um 35 an allen Standorten.

Mit Skepsis

Anders als Brinkmann und Haase hält der FDP-Landtagsabgeordnete Roland Riese die Abwahl der Präsidentin „nicht für die beste Idee, um die Fachhochschule voran zu bringen”. Eine Entscheidungsfindung werde dadurch nicht erleichtert. Allerdings sei die Fusionierung der Fachhochschule in Oldenburg, Ostfriesland und Wilhelmshaven nie eine Erfolgsgeschichte gewesen und daher mit Skepsis zu betrachten.

Mit Haase und Brinkmann ist Riese aber sehr wohl der Meinung, dass der Standort Emden nicht nur erhalten, sondern vielmehr auch gestärkt werden muss. „Das ist wichtig für die Wirtschaft.”

Das Arbeitsgebiet der Präsidentin wird derzeit von den Vizepräsidenten betreut. Christiane Claus: „Die Vertretungsregelungen greifen, die Hochschule funktioniert in jeder Weise. Alle Termine werden wahrgenommen.”

Dabei ist Claus für den Bereich der Verwaltung, der Finanzen, des Personals zuständig. Professorin Dr. Katharina Belling-Seib kümmert sich um Studium, Lehre, Studierendenverwaltung und -beratung. Professor Dr. Ing. Manfred Weisensee aus Oldenburg ist für Forschung und Technologie-Transfer verantwortlich und Professor Dr. Uwe Weithöner aus Wilhelmshaven für die zentralen Einrichtungen.

Wissenschaftsminister Lutz Stratmann hat im Juni eine wissenschaftliche Expertenrunde zusammengestellt, die die Problemfelder der Fachhochschule abklopfen und Empfehlungen für strukturelle Veränderungen formulieren soll. Ein Thema dabei wird auch die mögliche Aufhebung der Fusion sein. Die Kommission soll ihre Ergebnisse noch in diesem Jahr vortragen.

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