Welle der Hilfsbereitschaft für Greetsiel

Das Wahrzeichen Zwillingsmühle wird auf jeden Fall repariert. Neben Einheimischen wollen auch viele Touristen und Butenostfriesen mithelfen, die grüne Mühle wieder aufzubauen.

  • Mitarbeiter der Holzbaufirma Hass dichteten gestern den Achtkant ab. Foto: Stroman (1/2)
  • Die Kappe der Zwillingsmühle riss einen Teil der Galerie mit sich. Foto: Meyer (2/2)

Greetsiel. Eine Welle der Hilfsbereitschaft hat das Fischerdorf Greetsiel erreicht. Neben Einheimischen wollen auch viele Touristen und Butenostfriesen mithelfen, die grüne Zwillingsmühle wieder aufzubauen. "Die Hilfsbereitschaft ist enorm", sagte Jürgen Müller, Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung der Zwillingsmühlen. Sein E-Mail-Ordner quoll über, pausenlos klingelte das Telefon - Post und Anrufe vonMenschen, die ihr Mitgefühl zum Ausdruck brachten und Hilfe anboten. In den sozialen Netzwerken wurde die Nummer des Spendenkontos verbreitet. "Wir haben Zusagen von größeren Spenden." Rund 4000 Euro seien geflossen.

Auch ganz praktische Hilfe gab es: Thomas Müer, Unternehmer aus Witten, der in Pilsum eine Ferienwohnung hat, hörte von dem Unglück und beorderte von seiner Baustelle in Wilhelmshaven für zwei Tage einen Kran samt Mitarbeiter zur Greetsieler Mühle, um bei Aufräumarbeiten zu helfen.

Der Comedian Holger Müller alias Ausbilder Schmidt aus Pilsum gibt ein spontanes Benefiz Konzert für die Greetsieler Mühle. "Wenn ein Wahrzeichen einer Region, wie die Zwillingsmühle von Greetsiel zerstört ist, dann muss sich die Region dagegen aufbäumen und für den Wiederaufbau kämpfen", teilte Müller mit.

Er plant am kommenden Mittwoch ab 20 Uhr eine kleine Show von 45 Minuten in der Gaststätte "Börse". Der Eintritt liegt bei 10 Euro. Nach der Show ist noch für Live Musik gesorgt. Jedoch gibt Holger Müller, alias Ausbilder Schmidt pro zahlenden Zuschauer nochmal fünf Euro dazu. Und hier für sucht Ausbilder Schmidt noch "spendable Kameraden" die sich an dieser Aktion beteiligen, die eben einen Betrag X pro Zuschauer "drauflegen".

Die Zuschauerzahl ist bis 75 Gäste begrenzt. "Also liegt es auch ein bisschen an den Greetsielern und Mühlenliebhaber selber: je mehr Zuschauer kommen, desto mehr Euro für die Mühlen." Reservierungen für die Karten sind ab sofort unter S 0 49 26 / 9 18 50 in der Greetsieler Börse möglich. Sponsoren können sich per Email unter ostfrieslandlacht@t-online.de melden. "Jede Einnahme geht 100% in den Wiederaufbau der Greetsieler Mühle", so Müller.

Ein wichtiges Etappenziel haben die Mitglieder des Mühlenvereins und die Mühlenbauer der Firma Holzbau Hass aus Norden gestern geschafft: Die Kappe wurde mit einer Plane abgedichtet. "Genauso wie 2006, als die Firma die Kappe erneuert hat, da haben wir das auch so gemacht", erinnert sich Frank Schoof, zweiter Vorsitzender des Mühlenvereins. Mit dem Kran wurde die beschädigte Galerie herunter genommen. Die Mühlenbauer und Vereinsmitglieder sichteten, ob sich von den herabgestürzten Teilen noch etwas wiederverwenden lässt. "Bei einigen Hölzern kann eine Neuanschaffung schnell in die Zehntausende gehen", so Jürgen Müller.

Was sich wiederverwenden lässt, wird auf dem Bauhof der Gemeinde Krummhörn zwischengelagert. Der Rest kommt in den Container, der ebenfalls unbürokratisch von der Gemeinde aufgestellt wurde. Ein weiterer Schritt soll es nun sein, das ausgeschlagene Mauerwerk zu sichern. Denn sobald die Mühle wieder sicher betreten werden kann, will das Pächterehepaar Anthes sein Mühlencafé wieder öffnen. "Wir wollen so schnell wie möglich, den Betrieb wieder aufnehmen", sagt Volker Anthes. In den Räumen hat es keine Beschädigungen gegeben. "Ein bisschen Dreck. Das ist alles", so Anthes, der beim Saubermachen von Mühlenvereinsmitgliedern unterstützt wurde. Erst im Juli hatte das Ehepaar Anthes das Café eröffnet und vorher einiges investiert. Der Sturmschaden ist ein Rückschlag: "Aber aufgeben tun wir nicht."

Auch Jürgen Müller hat nach dem ersten Schock wieder Mut gefasst: "Die Talsohle ist durchschritten." Jetzt wird angepackt. Es werde ein hartes Stück Arbeit für den kleinen, 130 Mitglieder starken Verein. "Ohne Spendengelder können wir den Wiederaufbau nicht realisieren." Nach ersten Schätzungen beläuft sich die Schadenshöhe auf eine halbe Million Euro. Geld, das der Verein aufbringen muss, denn die Zwillingsmühle war nicht versichert. "Die meisten Mühlen sind nicht gegen Sturmschäden versichert", so Müller. "Wenn sie überhaupt eine Versicherung finden, dann sind die Beiträge und die Selbstbeteiligung sehr hoch."

Das könne sich ein kleiner Verein gar nicht leisten. Allein die Feuerversicherung koste den Mühlenverein jährlich rund 1500 Euro. Jürgen Müller ist dennoch zuversichtlich: "Ich bin guter Dinge, dass wir das schaffen." Die Gemeinde Krummhörn ist an der Seite des Mühlenvereins. Erster Gemeinderat Frank Baumann sicherte Unterstützung zu: "Das trifft nicht nur den Mühlenverein. Das ist ein Krummhörner Schicksal, das uns ereilt hat." Die Mühle müsse so schnell wie möglich wieder aufgebaut werden. "Nur das kann das Ziel sein."

31.10.2013, 05:00 Uhr