Keine „KZ-Verschlussakte” im Auricher Staatsarchiv

Dokumente über das KZ-Engerhafe sind im Staatsarchiv Aurich einzusehen.

Von EZ-Redakteur

GüNTHER GERHARD MEYER

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Engerhafe/Aurich. über das ehemalige Konzentrationslager in Engerhafe gibt es keine „Verschlussakten” im Staatsarchiv Aurich. Leiter Dr. Bernhard Parisius wies entsprechende Behauptungen von Günther Weers, Gewerkschaftssekretär im Deutschen Gewerkschaftsbund Region Ostfriesland/nördliches Emsland, zurück.

Weers hatte in dieser Woche während der Vorstellung des Projektes „KZ-Gedenkstätte im alten Pfarrhaus Engerhafe” erklärt, dass auch 64 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges im Staatsarchiv „Dokumente unter Verschluss” gehalten würden. Als Grund für seine Behauptung nannte Weers, dass noch Menschen lebten, die von Oktober bis Dezember 1944 in Ereignisse bezüglich des Lager verwickelt gewesen seien. Damals waren dort 2000 Menschen von den Nazis inhaftiert worden, von denen 188 den Tod fanden.

Dr. Parisius sah dagegen auf Nachfrage keinen Anlass gegeben, Akten aus jener Zeit noch „unter Verschluss” zu halten. „Das sind Ereignisse, die lange zurückliegen. Ohne die Aktenlage genau zu kennen, kann ich mir vorstellen, dass diese Angelegenheiten offen prüfbar sind.” Im Fall des KZ in Engerhafe, dessen Wachtürme und Anlagen erst 1945 abgerissen wurden, schätzt der Leiter des Staatsarchives, dass Fristen bereits vor 15 Jahren abgelaufen seien.

Es habe seitdem immer wieder auch Anfragen aus Hamburg gegeben, dem Umfeld des KZ-Neuengamme, für das Engerhafe ein Außenlager gewesen war.

Es gebe zwei gesetzliche Schutzfristen, an die sich das Staatsarchiv halten müsse: Erst 30 Jahre nach Schließung einer Akte könne jeder Bürger diese einsehen. Daneben gebe es Personalakten, die erst zehn Jahre nach dem Tod eines Menschen öffentlich zugänglich gemacht werden dürften. Könne man den Todeszeitpunkt nicht genau bestimmen, reiche der Zeitraum bis 100 Jahre nach der Geburt.

Allerdings bestünden auch Möglichkeiten, die Fristen für die öffnung von Akten zu verkürzen, räumte Dr. Parisius ein, weil Dokumente beispielsweise wichtig für eine Forschungsarbeit seien. Dann dürfe jedoch der Name einer betroffenen Person nicht genannt werden, wenn sie noch nicht länger als zehn Jahre verstorben ist.

Wie berichtet, will ein Trägerverein im alten Pfarrhaus Engerhafe, einem Steinhaus aus dem 13. Jahrhundert, eine Gedenkstätte und eine Ausstellung mit Werken von dem Oldeborger Künstler Herbert Müller einrichten. Möglich ist dies, nachdem das Pfarrhaus nicht mehr bewohnt ist. Der Trägerverein hat für den 29. Oktober um 20 Uhr zur Gründungsversammlung in den Gulfhof Ihnen aufgerufen.


E Geplant ist langfristig der Abriss der neuzeitlichen Gebäude rund um das Steinhaus, die 1911 und in den 1960er und 1970er Jahren entstanden. Entstehen soll dort neben der Gedenkstätte auch ein Gemeindezentrum für die lutherische Kirchengemeinde Engerhafe, wie auch ein Bereich, in dem das Kirchenarchiv seinen Platz findet.

22.10.2009, 19:31 Uhr