„Wie viel Bettwäsche haben Sie?”

EZ-Minireporter: 18 Kinder von acht Grundschulen stellen wieder jede Menge Fragen.
 Bewaffnet mit Stift und Block besuchten die Schüler diesmal die Jugendherberge Emden.

Hat sich über die interessanten Fragen der Minireporter der Emder Zeitung gefreut: die Leiterin der Jugendherberge Emden, Nele Krampen (Mitte). Foto: Dirk de Vries

Emden. Eine interessante und auch sehr lustige Runde für Nele Krampen, Leiterin der Jugendherberge in Emden: Eigentlich war sie es, die sich den Fragen der Minireporter stellte. Und die jungen Nachwuchsjournalisten hatten wieder eine Menge davon auf Lager. Doch schnell hatten auch die Grundschüler etwas zu erzählen - von ihren Erlebnissen in Jugendherbergen auf den Klassenfahrten. Deshalb dauerte es manchmal auch ein wenig, bis die nächste Frage auf den Tisch kam.

Sanja Neemann (Grundschule Petkum): Wer sind die Gäste mit der weitesten Anreise und woher kamen sie?

Nele Krampen (Leiterin der Jugendherberge): Das ist eine spannende Frage. Wir haben ja unterschiedliche Arten an Gästen, einmal besuchen uns Schulklassen und dann kommen auch Familien oder Einzelgäste. Ich meine, dass wir einmal einen Gast aus Indien hatten. Und wir haben immer eine Schulklasse aus der Schweiz. (Wie sprechen die?, will ein Minireporter wissen. Schwizerdütsch, antwortet Leon.) Das stimmt, mit denen haben wir immer sehr viel Spaß.

Tobias Höppner (GS Petkum): Wie ist Ihr Tagesablauf?

Also, ich putze mir morgens die Zähne. (Nele Krampen lacht.) Spaß beiseite, mein Tagesablauf ist immer anders. Wir haben einen Schichtbetrieb mit Früh- und Spätschicht. (Und was ist nachts?, kommt es aus der Runde). Da sind Jugendherbergen eher selten besetzt. (Ist hier nachts niemand?, ist die nächste Frage.) Doch, die Lehrer. Früher hat die Leitung auch in der Jugendherberge gewohnt. Das ist nicht mehr so, aber die Lehrer habe eine Notrufnummer von uns. Ansonsten bin ich so um 7.30 Uhr hier, mache die Rezeption, höre den Anrufbeantworter ab, gucke nach, wer an dem Tag noch kommt, weil ja Gäste an- und abreisen. Die Gäste fragen auch viel und dauernd klingelt das Telefon. Ich muss immer einiges organisieren. (Die Jugendherbergsleiterin erzählt noch, dass neben den Mitarbeitern auch Kinder aus Emden beim Spülen helfen. Die bessern sich so ihr Taschengeld auf. Da wollen die Minireporter natürlich wissen, was die verdienen, ob sie das auch schon dürfen und vieles mehr.)

Mandy Nanninga (GS Cirksena): Wie viele Zimmer gibt es hier?

Wir haben 32 Zimmer in vier Gebäuden mit insgesamt 144 Betten. (Vier Gebäude? Das können die Minireporter nicht glauben.) Doch, das Schleusenwärterhaus an der Kesselschleuse gehört auch zur Jugendherberge.

(Die nächste Frage erübrigt sich eigentlich.) Lendrit Berisha (GS Cirksena): Wie viele Gäste können Sie maximal aufnehmen?

Ratet mal? (144, kommt wie aus der Pistole geschossen von Leon.) Richtig. Wir haben sieben Zweibettzimmer, zehn Sechsbettzimmer, zwei Achtbettzimmer, zwei Fünfbettzimmer und der Rest sind Vierbettzimmer. (Lendrit erzählt, dass bei seiner Klassenfahrt viele in Dreibettzimmern geschlafen haben. Und schon geht die Diskussion los, wer schon wo auf Klassenfahrt war. Vier Minireporter haben das noch gar nicht erlebt.)

Florian Machold (GS Grüner Weg): Wie lange arbeiten Sie am Tag?

Das ist sehr unterschiedlich. manchmal 12 bis 13 Stunden, dann gibt es Tage, wo ich gar nicht arbeite. In der Saison von März bis Oktober ist hier viel zu tun, von November bis Februar laden wir wieder unsere Batterien auf. (Ob dann keiner in der Jugendherberge ist?, fragt ein Minireporter.) Dann haben wir hier nur Gruppen, das ist etwas einfacher. Im Moment donnert es richtig los, jetzt kommen für uns Mitarbeiter die harten Zeiten.

Elisa Harms (GS Grüner Weg): Muss immer jemand hier vor Ort sein?

Zum Glück nicht, aber es muss immer jemand ansprechbar sein, deshalb geben wir unsere Notrufnummer raus. (Wir durften keine Handy mit auf Klassenfahrt nehmen, ärgern sich einige Minireporter.)

Erja Tempel (GS Grüner Weg): Wie viele arbeiten hier?

In der Hochsaison sind wir zwölf Mitarbeiter, allerdings sind nicht alle Vollzeitkräfte. Und wir haben zehn Kinder, die uns beim Spülen helfen. (Da fällt Leon ein, dass seine Klasse das auf der Fahrt selber machen musste. Und die Lehrer haben genau hingeschaut, ob das alles ordentlich sauber war.)

Leon Redenius (GS Loppersum): Wie viele Gäste und Übernachtungen haben Sie im Jahr?

Wir haben rund 15 000 Übernachtungen und im Schnitt 6000 bis 6500 Gäste im Jahr.

Lasse Clauß (GS Constantia): Wie viel Bettwäsche haben Sie?

Das ist eine spannende Frage. Wir haben so um die 500 Sets Bettwäsche, die in einer Wäscherei gesäubert werden. (Erja sagt, dass sie die Betten auf der Klassenfahrt selber beziehen mussten.)

Till Prescher (GS Constantia): Ist Ihre Arbeit schwer?

(Leon meint, nein.) Ja, ich finde ja. Man darf sich nicht verzetteln, denn ich muss an ganz viele Bereiche denken.

Jannik Timmersmann (GS im Gulfhof Loquard): Haben Sie selbst Haustiere in der Jugendherberge?

Nein, haben wir nicht. Es würde zu Problemen kommen, wenn Gäste beispielsweise eine Allergie hätten. (Oder wenn die Hunde in die Zimmer machen würden, kommt es aus der Runde.)

Finja Schrader (GS Larrelt): Dürfen die Gäste Haustiere mitbringen?

Nein, auch das nicht. Es gibt nur eine Ausnahme, wenn Therapiehunde, wie Blindenhunde, gebraucht würden.

Thilko Kleen (GS Larrelt): Was bieten Sie an Essen an?

Wir haben das leckerste Frühstück in ganz Emden. (Da wollen die Minireporter gerne eine Kostprobe von nehmen.) Mittagessen bieten wir allerdings nicht an, weil die meisten Gäste unterwegs sind. (Thilko möchte noch wissen, ob Frau Krampen wirklich Nele heißt, weil seine Schwester auch so heißen würde.) Früher war der Name eher selten, nun heißen ganz viele so.

Niklas Eilers (GS am Wall): Können die Gäste hier auch selber kochen?

Nein, in die Küche darf niemand wegen der Hygienevorschriften hinein, der nicht befugt ist.

Lara Hartmann (GS am Wall): Mussten Sie schon einmal jemand rausschmeißen?

Ja, eine Familie mit ganz kleinen Kindern. Eigentlich bezahlen die Gäste bei der Anreise, die hatten es nicht gemacht. Als sie verlängern wollten, sollten sie erst bezahlen. Das haben sie auch nicht und mussten die Jugendherberge verlassen. Ein Jahr später war der Mann unter anderem Namen wieder mit Familie da. Da habe ich ihn an die offene Rechnung erinnert. Er meinte, die sei bezahlt, doch das stimmte nicht. Also mussten sie wieder gehen. Das Traurige daran war, dass die Familie noch ganz kleine Kinder hatte.

Sanja Neemann: Wie kamen Sie zu diesem Beruf?

Ich war vorher in der Marketingabteilung der Jugendherbergs-Organisation. Als die Stelle hier frei wurde, habe ich mich darauf beworben. Wir haben rund 400 Jugendherbergen in Deutschland.

Tobias Höppner: Welche Freizeitaktivitäten bieten Sie an?

Wir haben hier Fahrräder zum Ausleihen, Kanutouren können gebucht, Kanus ausgeliehen werden und viele Ausflüge organisieren wir.

Mandy Nanninga: Dürfen Ihre Gäste umsonst ins Freibad?

Nein, aber wir haben einen tollen Eintritt für die Kinder im van-Ameren-Bad. Wir sind große Fans von unserem Bürgerbad und es soll an unseren Gästen ja auch verdienen. (Die Nachwuchsjournalisten wollen wissen, was passiert, wenn jemand über den Zaun zum Freibad klettert.) Der bekommt ordentlich Schimpfe.

Lendrit Berisha: Gibt es auch Luxuszimmer in der Jugendherberge?

Was ist Luxus, was Standard? Wir haben Zimmer mit ganz unterschiedlicher Ausstattung, elf davon verfügen über eine eigene Dusche und eigener Toilette. Unsere ehemalige Hausmeisterwohnung, das sind dementsprechend unsere Luxuszimmer. (Die wollen die Minireporter natürlich alle sofort sehen.)

Florian Machold: Was verdienen Sie als Jugendherberge?

Das kann ich gar nicht genau sagen. Aber wir haben einen sehr hohen Umsatz.

Elisa Harms: Ist schon jemand aus dem Fenster gesprungen?

Ja, aus dem Erdgeschoss. Kletterei ist immer ganz doof, weil da auch etwas passieren kann. Wenn die Jugendherberge rappelvoll ist, dann ist gute Stimmung und die Gäste kommen nicht auf solche Ideen.

Erja Tempel: Sind mehr Schulklassen hier oder andere Besucher?

Das ist so halbe, halbe.

Leon Redenius: Wie sind die Ruhezeiten?

Wir haben eine Hausordnung, an die sich alle halten müssen und ab 22 Uhr sollte es auf den Zimmern nur noch in Zimmerlautstärke zugehen. (Wir durften noch nicht einmal Taschenlampen anmachen, ärgert sich Leon.)

Lasse Clauß: Schließen Sie abends zu?

Ja, ab 21 Uhr, die Lehrer haben aber alle Schlüssel.

Till Prescher: Machen Sie auch selbst in einer Jugendherberge Urlaub?

Früher ja, seitdem ich hier arbeite nicht mehr.

Jannik Timmersmann: Sind Sie verheiratet und haben Sie Kinder?

Ich habe einen großen Sohn und war auch schon einmal verheiratet.

Finja Schrader: Was ist Ihr Lieblingsessen?

Das sind Reibeplätzchen, die gibt es hier immer mittwochs, also heute auch. (Die Minireporter wollen natürlich auch Reibeplätzchen - bitte, bitte, bitte.)

Thilko Kleen: Warum haben Sie sich diesen Beruf ausgesucht?

Ich fand das toll, was die Kollegen gemacht haben und wollte das auch.

Niklas Eilers: Was verdienen Sie im Jahr?

Das verrät niemand. Einen Teil meines Gehaltes ist fix, der andere richtet sich nach meiner Arbeit.

(Dokumentiert von Dirk de Vries 0 49 21 / 89 00-442)

05.05.2018, 14:23 Uhr