„Wichtig ist mir, nah am Bürger zu sein”

Diesmal stellte sich der Bürgermeister der Krummhörn, Frank Baumann, den Fragen der Nachwuchsjournalisten. Und die wollten einiges ganz genau wissen.

Schnell noch ein Gruppenfoto der Minireporter vor dem Rathaus in Pewsum mit Bürgermeister Frank Baumann: Der war praktisch auf dem Sprung, hatte schon den nächsten Termin in Norden im Nacken. Foto: Dirk de Vries

Nun war es also ein Verwaltungschef, den die EZ-Minireporter besuchten. Und wie bei den anderen Terminen auch, hatten sie wieder jede Menge Fragen im Gepäck. Besonders erfreut waren die jungen Nachwuchsjournalisten, dass sie im Eingangsbereich des neuen Rathauses in Pewsum auf dem dort hängenden Bildschirm extra begrüßt wurden. Und auch der Empfang im Büro von Bürgermeister Frank Baumann war sehr herzlich. Außerdem anwesend war der Pressesprecher der Gemeinde Krummhörn, Fritz Harders.

 

Julius Janssen: Ist es anstrengend, Bürgermeister zu sein?

 

Frank Baumann: Ich komme gerade von einem Termin, Fritz Harders stand schon mit laufenden Motor vor dem Haus, damit ich pünktlich zu dem Termin mit euch hier bin und ich muss um 16.15 Uhr schon wieder in Norden sein. Das ist anstrengend. Aber ich habe viele schöne Begegnungen und Termine, so wie diesen hier, das wertet den Job auf. Und vor allem macht er mir sehr viel Spaß.

 

Sandra Kirchhoff: Wie wird man Bürgermeister?

 

Der Bürgermeister wird durch die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Krummhörn gewählt. Jeder Einwohner, der mindestens 16 ist, kann wählen. Ich hatte damals noch zwei Mitbewerber. Das heißt, dass auf dem Stimmzettel drei Namen standen, auf dem die Wähler ein Kreuz machen durften. Ich wurde gleich im ersten Wahlgang für sieben Jahre gewählt. Das war 2014, ich bin also noch bis 2021 im Amt.

(Auf die Zwischenfrage, ob er sich denn wieder zur Wahl stellt, antwortete Baumann nicht direkt. Er wolle erst einmal die kommenden Aufgaben bewältigen und dann wird er sehen, ob er 2021 noch einmal antritt. Das verschmitzte Lächeln von ihm ließ aber schon Raum für eine Tendenz.)

 

Amelie Balzer: Warum werden die Spielplätze nicht überall repariert?

 

Es gibt 57 Spielplätze in den 19 Dörfern unserer Gemeinde und die sind unterschiedlich groß und bestückt mit Spielgeräten. Auf jedem Spielplatz ist immer mindestens ein Spielgerät kaputt, es muss also immer etwas gemacht werden. Es gibt Spielplätze, die bauen wir zurück, denn mittlerweile hat jedes private Haus sozusagen einen eigenen Spielplatz hinterm Haus.

(Die Frage von Baumann, ob die Minireporter nicht auch Spielgeräte zu Hause auf dem Grundstück haben, bejahen sie und sprechen über Schaukeln, Trampolins oder Sandkästen)

Seht ihr. Spielplätze werden heutzutage nicht mehr so genutzt wie früher. Ein Spielplatz pro Dorf muss aber in Ordnung sein, und darum bemühen wir uns auch.

 

Rieke Janssen: Was verdienen Sie?

 

(Bei dieser Frage muss der Bürgermeister lachen und antwortet natürlich nicht mit einer Zahl - auch wenn die Minireporter die sicherlich erwartet haben.)

Ich bin zufrieden mit dem, was ich hier verdiene. Es geht ja immer auch mehr. Ich werde aber entsprechend entlohnt. Ihr müsst zudem bedenken, dass ich ja auch viele Abend- und Wochenendeinsätze habe.

 

Leonie Rohde: Was ist Ihr Lieblingsfilm?

 

Die Feuerzangenbowle mit Heinz Rühmann. Den kennt ihr sicher nicht, das ist aber ein lustiger Schwarz-Weiß-Film. Eure Eltern kennen den aber sicherlich.

 

Lina Klöcker: Was zeichnet einen guten Bürgermeister aus?

 

Dafür hat jeder seine eigenen Ideen. Wichtig ist für mich, nah am Bürger zu sein. Ich mache eine Bürgersprechstunde, bei der mir die Einwohner der Krummhörn ihr Herz ausschütten können. Ich bin aber auch viel unterwegs, spiele Theater und mache Musik. Da höre ich natürlich auch einiges. Ich setze mir Ziele und versuche, die mit meinen Mitarbeitern zu erreichen.

 

Mentje Tammena: Sind die Bewohner der Krummhörn zufrieden mit Ihnen?

 

Das messe ich daran, wenn ich die Bürgersprechstunde mache. Die beginnt um 14.30 Uhr und alle halbe Stunde habe ich einen Besucher. Manchmal ging das dann bis nach 19.00 Uhr. Es wurde aber immer weniger. Das hat mir gezeigt, dass nicht alles schlecht sein kann. Ich höre das auch in den Dörfern.

 

Ole Eiklenborg: Haben Sie auch eine Fragestunde für Kinder?

 

Jein. Zur Bürgersprechstunde kommen ja auch Kinder mit ihren Eltern. Außerdem biete ich den Schulen der Gemeinde auch einen Besuch hier im Rathaus an oder besuche die Schulen.

 

Janus Kleinert: Lesen Sie Zeitung?

 

Ja, die gesamte ostfriesische Presse. Meine Sekretärin legt mir die immer hin. Ich bin interessiert, was sie über die Gemeinde, über mich oder auch über die Welt schreibt. Und manchmal ruft auch jemand an und fragt, ob ich gelesen habe, was in der Zeitung steht. Dann ist es gut, wenn ich das schon weiß.

(Ole möchte gerne wissen, ob der Bürgermeister auch Freunde hat? Freunde habe ich sehr viel, auch hier im Hause und vor allem privat. Ich finde das ganz wichtig als Ausgleich für den Job.)

 

Julius Janssen: Wie lange sind Sie schon Bürgermeister?

 

Seit dem 2. Februar 2014 per Wahl und drei Wochen später dann offiziell.

 

Sandra Kirchhoff: Was machen Sie alles in Ihrem Amt?

 

Ganz viele tolle Sachen. Ich sitze nicht nur am Schreibtisch. Ich muss viel reden, habe Termine, auch außerhalb bei den Vereinen, Gruppen oder Behörden. Ich fahre nach Hannover oder Berlin und besuche auch die Partnergemeinden (in Lettland und den USA). Ich werde zu Veranstaltungen eingeladen. Am Wochenende beispielsweise wurde ich gebeten, das Kinderwagenmuseum in Uttum einzuweihen. Darauf freue ich mich. Ihr könnt ja auch kommen.

 

Amelie Balzer: Wie sehen Sie sich selbst als Bürgermeister?

 

So, wie der Name es sagt, als Meister der Bürger. Nein, für mich ist mit diesem Amt ein Traum wahr geworden. Ich fing hier in der Gemeinde mit 16 Jahren die Ausbildung an.

 

Rieke Janssen: Warum sind Sie Bürgermeister geworden?

 

In der Ausbildung war ich ziemlich vorlaut. Ich habe meine Ausbilder immer mit ganz vielen Fragen genervt und die wollten wissen, warum ich so viel frage. Da habe ich als 16-Jähriger geantwortet, dass ich hier einmal Chef werden will. Nun möchte ich etwas von dem zurückgeben, was die Gemeinde mir ermöglicht hat.

 

Leonie Rohde: Macht es Ihnen Spaß, Bürgermeister zu sein?

 

Ja, wenn auch nicht immer. Aber das wir dieses Rathaus beispielsweise auf den Weg gebracht haben, darüber bin ich sehr glücklich.

(Beim Thema Neubau wollen die Minireporter natürlich wissen, wo das alte Rathaus ist. Das hat draußen gestanden, wo jetzt die Wiese ist, antwortet ihnen Baumann. Da wollen die Minireporter nachher nachschauen.)

 

Lina Klöcker: Gibt es Süßigkeiten oder etwas anderes bei den Terminen?

 

Bei offiziellen Terminen und Sitzungen gibt es nur Tee, keinen Kaffee. Das habe ich eingeführt. Und meine Sekretärin achtet immer darauf, dass es Kekse gibt.

(Fritz Harders kramt im Büro in einer Schublade und „zaubert” Kekse hervor, die mit dem Logo der Gemeinde verziert sind. Die Idee habe Fritz einmal von einer Messe mitgebracht, erklärt Baumann, und die habe man sofort umgesetzt.)

 

Mentje Tammena: Was möchten Sie für Kinder verbessern?

 

Es gibt noch einiges zu verbessern. Wir haben vier Grundschulen in der Gemeinde und von einer sagen die Schüler, das sei die Schönste der Welt (die Grundschule Loquard in einem ehemaligen Gulfhof). Also werden wir auch bei den anderen Schulen immer wieder etwas machen. Und wir haben elf Kindergärten, in denen wir noch vieles machen können.

 

Ole Eicklenborg: Wer ist Ihr Vorbild?

 

(Franz Beckenbauer, scherzt Baumann, denn früher als Fußballer haben ihn alle Kaiser genannt.) Ein richtiges Vorbild habe ich nicht, ich habe aber sehr viel von meinem Vater gelernt. Er hat immer gesagt, du musst zuhören, dann machen und sich vor allem für andere einsetzen. Er ist mittlerweile 87 Jahre alt und ein bisschen mein Vorbild.

 

Janus Kleinert: Haben Sie Frau und Kinder?

 

Ja, ich habe eine ganz tolle Familie. Meine Sohn (18) macht bald Abitur und meine Tochter (15) ist in der Gemeinde Hinte an der IGS (Integrierte Gesamtschule). Meine Tochter macht Musik, mein Sohn auch und spielt dazu noch Theater. Sie sind damit in unsere Fußstapfen getreten, denn auch meine Frau und ich machen Musik und spielen Theater.

 

Leonie Rohde: Besuchen Sie auch andere Bürgermeister?

 

Ja, wir treffen uns sogar regelmäßig und tauschen uns untereinander aus. Es gibt Probleme, die sich gleichen. Es macht Spaß mit den Kollegen und die Treffen sind sehr interessant.

 

Sandra Kirchhoff: Was für Vor- und Nachteile hat es, Bürgermeister zu sein?

 

Vorteile sind sicherlich, dass ich viele Menschen kennenlerne, dass ich Entscheidungen treffen muss und Ideen entwickeln und umsetzen kann. Außerdem kann ich immer Vorschläge machen. Ein Nachteil ist, dass immer schnell etwas kritisiert wird, wenn es nicht läuft. Das ist manchmal zwar richtig, oft hat es aber Gründe.

(Wann der Bürgermeister denn im Büro sei, wollen die Minireporter noch wissen? So zwischen 8 und 8.30 Uhr. Meine Familie ist um 7.30 Uhr aus dem Haus, und dann habe ich noch ein bisschen Zeit für mich. Schön ist, dass ich immer mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren kann. Eine Frage ist noch, ob es schwer sei, wenn man selbst als Pressesprecher einmal tätig war, jetzt einen Pressesprecher hat? Nein, Fritz ist für mich auch ein Freund. Er berät mich, kritisiert ab und zu, gibt Tipps und fängt viel auf. Ich bin froh, dass mit ihm diese Stelle wieder besetzt wurde.)

 

(Dokumentiert von Dirk de Vries)

29.04.2017, 17:05 Uhr