„Warum heißt es eigentlich RKsH?”

Die Nachwuchsjournalisten besuchten in dieser Woche die Rettungswache in der Wolthuser Straße.

In der Rettungswache des RKsH in der Wolthuser Straße beantwortete Geschäftsführer Holger Rodiek die Fragen der Minireporter. Foto: Nobert Schnorrenberg

Die EZ-Minireporter waren wieder unterwegs. Diesmal besuchten sie die Rettungswache des RKsH in der Wolthuser Straße. Dort beantwortete der Geschäftsführer Holger Rodiek die Fragen der Nachwuchsjournalisten.

Till Prescher (Grundschule Constantia): Kann man im Rettungswagen auch operieren?

Holger Rodiek: Nein, man kann kleine Hilfsmaßnahmen durchführen. Für eine Operation braucht man drei bis vier Helfer. Dafür ist leider kein Platz.

Mandy Nanninga (Grundschule Cirksena): Wie viele Einsätze haben Sie im Jahr?

Wir haben etwa 11 000 bis 12 000 Einsätze pro Jahr. Das sind nicht alles Unfälle, sondern auch Herzinfarkte, schwere Asthmaanfälle und andere Dinge.

Lendrit Berisha (Grundschule Cirksena): Wie lange dauert die Anfahrtsdauer zum Unfallort?

Das kommt drauf an, wo es ist. Wenn etwas direkt hier um die Ecke passiert, sind wir natürlich schneller da, als wenn etwas ganz am Stadtrand passiert. Es darf allerdings nie länger als 15 Minuten dauern, bis wir vor Ort sind. Das ist Vorschrift und das schaffen wir auch immer.

Yamin (Grundschule Constantia): Warum heißt es eigentlich RKsH?

Das ist eine sehr gute Frage. RKsH steht für Rettungsdienst, Krankentransport und soziale Hilfsdienste. Soziale Hilfsdienste sind Dinge wie zum Beispiel Essen auf Rädern. Das liefern wir auch.

Lasse Clauß (Grundschule Constantia): Welche Aufgabe hat der Rettungsdienst?

Der Rettungsdienst soll Kranke zu einer Behandlung fahren, also diejenigen, die so schwer krank sind, dass sie da selbst nicht hinkommen.

Lara Hartmann (Grundschule am Wall): Wie wird eine Schusswunde behandelt?

Genauso wie jede andere Wunde auch. Wir legen ein Verbandstuch drauf und es kommt ein Verband drum. Das ist erst mal nichts anderes als bei einem Schnitt in den Finger. Im Krankenhaus wird das dann operiert.
Ich muss allerdings dazu sagen, dass solche Verletzungen in Ostfriesland vielleicht alle zehn Jahre mal vorkommen. Das ist auch gut so.
Jannik Timmersmann (Grundschule im Gulfhof Loquard): Wie lang ist die Ausbildungsdauer?

Das ist unterschiedlich. Wir haben hier junge Menschen, die ein sogenanntes Freiwilliges Soziales Jahr machen. Die werden hier drei Monate lang zum Rettungssanitäter ausgebildet. Diejenigen, die das hauptberuflich machen und die Rettungswagen fahren, machen eine Ausbildung, die drei Jahre lang geht. Die sind dann Notfallsanitäter.

Finja Schrader (Grundschule Larrelt): Gab es schon mal eine Geburt im Rettungswagen?

Es kommt schon mal vor, dass eine Geburt schneller geht, als man denkt. Ich selbst habe im Krankenwagen noch keine erlebt, aber schon zwei Mal bei den Eltern zu Hause, zu denen wir gerufen wurden.

Thilko Kleen (Grundschule Larrelt): Wie behandelt man jemanden, der in Ohnmacht gefallen ist?

Man legt ihn ganz schnell hin und versucht ihn auf die Seite zu drehen. Dann achtet man darauf, dass der Mund die tiefste Stelle des Körpers ist. Das ist wichtig, denn wenn jemand ohnmächtig ist, kann es passieren, dass er sich erbricht. Wenn man ihn richtig hinlegt, kann das dann einfach rauslaufen.

Leon Redenius (Grundschule Loppersum): Wie schnell darf das Rettungsfahrzeug in einem Einsatz fahren?
So schnell es geht, ohne dass andere gefährdet werden. Wir empfehlen, dass unsere Mitarbeiter in der Stadt nicht schneller als 70 fahren, damit kein Unfall passiert.

Florian Machold (Grundschule Grüner Weg): Gab es schon mal Hubschraubereinsätze?

Ja, es gibt immer mal wieder welche. Vor einem halben Jahr gab es hier gleich um die Ecke einen Einsatz. Da landete der Hubschrauber mitten auf der Kreuzung.

Tobias Höppner (VGS Petkum): Wenn alle Krankenwagen bereits belegt sind, was passiert dann bei einem Unfall?

Dann wird's schwierig. Dann muss der Verunglückte warten. Aber wir haben in Emden genug Rettungswagen und außerdem eine Rettungsleitstelle, die darauf achtet, dass immer ein Rettungswagen als Reserve frei ist.

Sanja Neemann (VGS Petkum): Wie viele Rettungswagen hat der RKsH insgesamt?

Drei Rettungswagen und noch zwei spezielle Rettungswagen für den Katastropheneinsatz. Die können sogar über eine Kuhweide fahren.

Erja Tempel (Grundschule Grüner Weg): Wie groß ist das Einsatzteam des RKsH?

Wir sind insgesamt 40 Leute. Davon sind 15 Rettungsassistenten und Notfallsanitäter.
Niklas Eilers (Grundschule am Wall): Wann und wie ist der RKsH entstanden?

Das war im Januar 1985. Wir waren ein paar Rettungssanitäter vom Roten Kreuz. Da gab es ziemlich viel Ärger damals mit Geld und organisatorischen Problemen. Da haben wir damals den RKsH gegründet.

Elisa Harms (Grundschule Grüner Weg): Welchen Schulabschluss benötigt man für die Ausbildung?

Es reicht ein qualifizierter Hauptschulabschluss, aber wir empfehlen einen Realschulabschluss. Außerdem sollte man mindestens 18 Jahre alt sein. Wenn man aus der Schule kommt, ist man meistens noch zu jung.

(Lasse fragt, wie es ist, wenn man einen Gymnasialabschluss hat. )

Dann ist man meistens schon alt genug. Wer sein Abitur gemacht hat, ist in der Regel schon 18.

Till: Wie viele Menschen haben Sie schon versorgt?

Das weiß ich nicht. Ich war zehn Jahre lang ganz normal beim Rettungsdienst. Das waren bestimmt so 400 bis 500 Menschen im Jahr. Ich habe sie nicht gezählt.

Mandy: Ist die Arbeit anstrengend?

Ja, man muss sich immer auf andere Menschen einstellen und erkennen, was sie für eine Krankheit haben. Dann muss man die Leute auch oft vom Haus ins Auto tragen. Da heutzutage viele Menschen sehr sehr schwer geworden sind, weil sie nicht mehr so gesund essen, ist das schon sehr anstrengend.

Lara: Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?

Ich habe damals Zivildienst beim Roten Kreuz gemacht. Die Arbeit gefiel mir damals so gut, dass ich das bis heute mache.

Thilko: Was war Ihr schlimmster Einsatz?

Das war zum Anfang meiner Zivildienstzeit. Damals wurden wir zu einem Unfall in die Krummhörn gerufen. Ein Mädchen wurde auf dem Weg zur Schule von einem Auto angefahren. Weil es damals sehr glatt und neblig war, sind wir so spät gekommen, dass wir dem Mädchen nicht mehr helfen konnten. Das war für mich mein schlimmster Fall. Danach habe ich mich auch dafür eingesetzt, dass in Pewsum eine Rettungswache errichtet wird.

Leon: Und was war Ihr schönstes Erlebnis?

Das ist, wenn neues Leben entsteht. Die Begleitung einer Geburt.

Florian: Mussten Sie schon einmal selbst von einem Rettungswagen abgeholt werden?

Ja, da war ich bei einem Hilfseinsatz in Sri Lanka. Da habe ich mich verletzt und brauchte einen Krankenwagen. Das Problem war: Da gab es gar keine. Da landete ich am Ende auf der Ladefläche eines Lkw.

(Dokumentiert von Suntke Pendzich)

17.03.2018, 15:02 Uhr