„Immer, wenn es schön ist”

16 Grundschüler aus acht Schulen sind wieder mit Block und Bleistift unterwegs. Diesmal 
stellte sich die Standesbeamtin der Stadt Emden, Monika Friesenborg, den bohrenden Fragen.

Zum Foto mit Monika Friesenborg ging es doch nach draußen: Im Trauzimmer und dem Vorraum (im Hintergrund sind die Fenster) war es ziemlich warm. Foto: Dirk de Vries

Emden. Viele interessante Fragen haben die EZ-Minireporter den fünf Interviewpartner in dieser Runde bisher gestellt, und auch die Standesbeamtin Monika Friesenborg war schon gespannt, was die jungen Nachwuchsjournalisten wohl alles von ihr wissen wollen. Bevor es allerdings in die Fragerunde ging, hatten die Grundschüler schon längst entdeckt, dass die Gastgeber viel frisches Obst zum Verzehr bereitgestellt hatten. Und wer nicht gerade eine Frage stellen musste, bediente sich eifrig am gedeckten Tisch.

Lara Hartmann (Grundschule am Wall): Wie lange gibt es das Standesamt schon?

Monika Friesenborg: Das gibt es schon ganz lange, nämlich seit dem 1. Oktober 1874. Vorher wurden die Daten immer in den Kirchen erfasst, seit 1874 hat das der Staat übernommen und führt seitdem Geburten-, Ehe- und Sterberegister. Das dient natürlich auch dazu, zu wissen, wie viele Einwohner die Stadt hat. (Ob das Standesamt schon immer hier war, kommt eine Frage. Nein, vorher waren wir im Rathaus, übergangsweise auch in der AOK und seit 2007 hier in dem Neubau.)

Till Prescher (GS Constantia): Wie ist der Ablauf einer Trauung?

(Da fragt die Standesbeamtin erst einmal zurück, ob von den Minireportern schon jemand bei einer Trauung war und gleich gehen einige Hände hoch. Lasse war erst Freitag bei einer Trauung auf dem Feuerschiff und Leon schon einmal in der Mühle in Hinte.) Dann habt ihr ja schon teilweise Erfahrung. Also, die Paare, Trauzeugen und Gäste werden begrüßt, ich gehe mit dem Brautpaar ins Trauungszimmer, wir kontrollieren die Papiere noch einmal, auch alle andern dürfen danach Platz nehmen. Nach meiner persönlichen Ansprache gibt sich das Brautpaar das Jawort, tauscht die Ringe und dann gibt es ja auch noch den obligatorischen Kuss. Das habt ihr sicherlich auch schon gesehen, vielleicht erst kürzlich im Fernsehen. Zum Schluss verlese ich das Schriftliche noch einmal und Brautpaar und Zeugen müssen unterschreiben. (Eine Frage ist die nach der Dauer der Trauung. Manchmal geht es schnell, manchmal dauert es auch lange.)

Leon Redenius (GS Loppersum): Was machen Sie, wenn man Namen schlecht aussprechen kann?

Was habt ihr denn für einen Tipp für mich? (Jannik sagt, dass sein Nachname Timmersmann sei und er den immer buchstabieren muss.) Ich frage die Paare vorher, wir treffen uns ja im Vorfeld der Trauung schon einmal. Die Aussprache übe ich dann. (Sicher stundenlang, sagt Leon.)

Lasse Clauß (GS Constantia): Wie viele Trauungen gibt es im Jahr?

Es gibt so um die 260 Eheschließungen im Jahr. Ich denke, dass es in diesem Jahr aber ein paar mehr werden.

Niklas Eilers (GS am Wall): Wie lange arbeiten Sie am Tag?

Das ist ganz unterschiedlich, es kann auch einmal spät werden. Dazu kommt dann ja noch der Samstag, da wird auch geheiratet.

Elisa Harms (GS Grüner Weg): Ist Ihnen bei einer Trauung schon einmal etwas Lustiges passiert?

Ich habe zwei schöne Begebenheiten, die ich euch erzählen kann. Wir hatten einmal ein Brautpaar und für die war ein Chor da, die haben ein Lied gesungen. Die Chorleiterin war die Braut, wusste davon aber nichts. Und als der Chor reinkam, ist die Braut aufgesprungen und hat den Chor geleitet. Oder einmal waren wir mitten in der Trauung, da erschien draußen ein Fensterputzer und hat in aller Seelenruhe die Fenster geputzt. Das war ein Nachbar des Brautpaares.

Erja Tempel (GS Grüner Weg): Wie viele Kinder werden im Jahr geboren?

Wir haben um die 800 Geburten im Jahr. (Und wir sind ein kleiner Teil davon, sagt Leon.)

Florian Machold (GS Grüner Weg): Wie viele haben hier schon Nein gesagt?

Das habe ich noch nicht erlebt. Das Brautpaar hat es sich ja vorher gut überlegt, schließlich ist so eine Eheschließung ein wichtiger Schritt. Im Vorfeld passiert so etwas aber schon, dass Brautpaare die Trauung dann absagen.

Tobias Höppner (GS Petkum): Wie alt war das jüngste/älteste Paar, das geheiratet hat?

In Deutschland darf man erst mit 18 Jahren heiraten, muss also mindestens so alt sein und das hatten wir auch schon. (Leon will wissen, ab wann man nicht mehr heiraten darf. Das gibt es nicht, antwortet Monika Friesenborg.) Wir haben durchaus Paare, die zwischen 80 und 90 Jahre alt sind. Die haben sich im Alter kennengelernt. (Thilko sagt, dass seine Mama sagt, dass sein 70-jähriger Opa endlich seine Freundin heiraten soll. Seine Oma sei gestorben und sein Opa habe jetzt wieder eine neue Partnerin.)

Finja Schrader (GS Larrelt): Wie viele Hochzeiten gibt es pro Tag?

Pro Tag sind es so um die fünf Termine, an den Samstagen drei bis vier. (Seid ihr schon morgens um 8 Uhr da, will Leon wissen. Nein, bei uns geht es so um 9.30 Uhr los. So spät, kommt es von Leon. Na ja, um 8 Uhr morgens wollen ja die wenigsten heiraten.)

Sanja Neemann (GS Petkum): Was war Ihr schönstes Erlebnis bei einer Trauung?

Das ist eine schwierige Frage. Es ist immer sehr schön, dabei zu sein. Ganz besonders schön sind Trauungen, wenn auch Kinder anwesend sind und etwas vortragen oder auch Blumen streuen. (Erja will wissen, wie viele Schwangere hier schon getraut wurden. Darüber führe ich keine Statistik. Leon sagt, dass er noch nicht da war, als seine Eltern geheiratet haben. Da denken einige Minireporter angestrengt nach, wie es bei ihnen so war.)

Jannik Timmersmann (GS im Gulfhof Loquard): Wie fühlt sich so eine Trauung für Sie an?

Es ist immer etwas ganz Besonderes und niemals Routine. Für mich ist es immer aufregend.

Thilko Kleen (GS Larrelt): Wie wird man Standesbeamtin?

Ich habe eine Ausbildung in der Verwaltung gemacht, danach eine spezielle Ausbildung für Standesbeamte. Das war an einer Akademie, bei der ich am Ende zwei Prüfungen ablegen musste. Die Ausbildung dauert drei Jahre, die spezielle Ausbildung insgesamt 14 Tage. Ich bilde mich aber laufend fort.

Yamin Belarbi (GS Constantia): Wo kann man in Emden noch heiraten?

Es gibt sechs Räumlichkeiten in Emden, wo geheiratet werden kann. Das ist einmal hier, wo wir uns aufhalten, dann auf dem Feuerschiff (Da war ich am letzten Freitag, sagt Lasse), auf dem Bereisungsschiff „Ems”, im Landesmuseum im Rummel und dort auch in der Rüstkammer sowie in der Tiffany-Lounge in der Kunsthalle.

Lara Hartmann: Wie viele Personen arbeiten beim Standesamt?

Mit mir sind es acht Kollegen, davon aber auch welche in Teilzeit.

Till Prescher: An welchen Monaten wird häufiger geheiratet?

Könnt ihr euch das vorstellen? (Jetzt, kommt es von Leon.) Von April bis September ist so die Hauptzeit und dann noch einmal in der Vorweihnachtszeit. (Immer, wenn es schön ist, meinen einige Minireporter. Das wünscht man sich, aber kann es nicht beeinflussen. Die Termine werden vorher festgelegt und es ist natürlich für das Brautpaar toll, wenn an dem Trauungs-Tag dann auch schönes Wetter ist.)

Leon Redenius: Gab es schon lustige Nachnamen?

Da darf ich nichts zu sagen, ich bin zur Verschwiegenheit verpflichtet. Ich kann dazu nur sagen, dass lustig im Zusammenhang mit Namen immer schwierig ist. Denn, was für den Einen lustig ist, muss für einen Anderen nicht lustig sein. Ich finde, dass jeder Name seine Geschichte hat. (Die Minireporter diskutieren lebhaft, welche lustigen Namen sie kennen.)

Lasse Clauß: Sind Sie verheiratet und wenn ja, wurden Sie auch hier getraut?

Ich lebe mit meinem Lebensgefährten zusammen und wir haben noch nicht geheiratet. Wir haben noch keinen Termin bekommen (Monika Friesenborg lacht. Und die Meinung in der Runde ist, dass sie nach dieser Aussage sicherlich schnell einen bekommen wird. Die Nachwuchsjournalisten fragen, ob sie denn überhaupt schon gefragt worden ist.)

Niklas Eilers: Wo ist Ihr Lieblingsplatz?

(Privat oder beruflich, will Monika Friesenborg wissen. Das sind Fragen zur Person, sagt Leon, also privat.) Ich bin gerne auf den Wallanlagen, dort auch sportlich unterwegs und fahre gerne zur Knock.

Erja Tempel: Gefällt Ihnen Ihr Job?

Ihr merkt sicher, dass er mir ausgesprochen gut gefällt. Mittlerweile darf ich sogar andere Standesbeamte in Niedersachsen schulen.

Elisa Harms: Haben Sie ein Haus oder eine Wohnung?

Ich habe ein Haus mit einem schönen Garten.

Tobias Höppner: Welche Hobbys haben Sie?

Alles, was mit Bewegung zu tun hat, also ich gehe im Sommer fast jeden Tag schwimmen, fahre Rennrad und laufe, mache jetzt Triathlon und dazu noch Kanufahren.

Finja Schrader: Haben Sie auch Haustiere?

Ich finde Haustiere ganz toll, habe selbst aber keine, weil ich wenig Zeit habe. (Da zählen die Minireporter viele Haustiere auf, die man haben kann, ohne sich intensiv um sie zu kümmern, wie um eine Katze oder einen Hund.)

Sanja Neemann: Wo machen Sie am liebsten Urlaub?

Auf den Ostfriesischen Inseln, ganz besonders auf Borkum. Und ich fahre gerne nach Mallorca.

Florian Machold: Wieso haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?

Jeder Tag ist in diesem Beruf anders, es gibt immer wieder etwas Neues. Und der Umgang mit Menschen macht mir auch sehr viel Spaß.

Dokumentiert von Dirk de Vries 0 49 21 / 89 00-442

02.06.2018, 09:12 Uhr