„Football ist wie Schach”

In diesem Jahr hatten die Nachwuchsjournalisten den Wunsch geäußert, einmal einen Trainer zu interviewen. Nach einigen Diskussionen - in Richtung Carlo Ancelotti von Bayern München - wurden die Minireporter auch in der Emder Sportszene fündig. Johannes Podeschwa vom Football-Team Emden Tigers stellte sich den Fragen.

So, die Minireporter suchen sich erst einmal einen Platz: Und Football-Trainer Johannes Podeschwa ist schon in freudiger Erwartung, was die Nachwuchsjournalisten wohl alles von ihm wissen wollen. Foto: Dirk de Vries

Johannes Podeschwa, Trainer der Emder Football-Mannschaft, die Tigers, hat ordentlich Ausrüstung im Gepäck, als er zum Termin mit den Nachwuchsjournalisten der Emder Zeitung eintrifft. Denn in seinem Sport müssen sich die Spieler an vielen Körperstellen schützen. „Football findet ja draußen auf dem Platz statt und dann ist nur das darüber Reden eher langweilig. Deshalb habe ich einige Sachen mitgebracht, die ihr euch anschauen könnt.” Auch ein Helm macht die Runde unter den Minireportern. Der wiegt immerhin rund zwei Kilogramm. Davis Terre darf sich das Schulter-Pad überziehen. Der eiförmige Ball geht auch von Hand zu Hand.

 

Eric Scholzen: Wann und wie oft trainieren Sie mit der Mannschaft?

 

Johannes Podeschwa: Zweimal die Woche, immer am Dienstag und Donnerstag ab 19 Uhr auf dem Sportplatz von Rot-Weiß Emden. Meistens so zwei Stunden lang.

 

Davis Terre: Aus wie vielen Spielern besteht eine Football-Mannschaft?

 

Aus 22 Spielern, von denen elf in der Defense spielen und elf in der Offense.

(Nun wollen die Grundschüler natürlich wissen, was Offense und Defense sind. Wenn der Gegner den Ball hat, dann ist bei uns die Abwehr auf dem Platz. Die heißt beim Football Defense. Wenn wir in Ballbesitz sind, steht bei uns der Angriff, die Offense, auf dem Feld. Der Football-Trainer ergänzt noch, dass es Spieler mit unterschiedlichen Aufgaben in jeder Mannschaft gibt.)

 

Nicklas Klotz: Müssen Sie das Spielfeld immer neu „einzeichnen”?

 

Wir haben ja keinen festen, eigenen Platz. Unser Spielfeld beim Sportverein Rot-Weiß Emden wird immer neu eingekreidet. Das hält meistens nur zwei/drei Tage. Wir machen das immer schon am Freitagabend. Wenn es in der Nacht dann regnet, können wir das am Samstag noch einmal machen. Das geht aber schnell.

(Eine Zwischenfrage bezieht sich auf die Länge des Spielfeldes. Das ist 120 Meter lang. Wir messen ja in Metern, die Amerikaner aber in Yards.)

 

Lina-Sophie Wiesner: Wer spielt schon am längsten Football in Ihrem Team und wie lange schon?

 

Also, da muss ich mal überlegen, dass ich auch nichts Falsches sage. Ich meine, dass Stefan Heis mit 48 Jahren unser ältester Spieler ist. Und Gerd Hanssen spielt bei uns seit 2002/2003, meine ich. Er ist am längsten bei uns im Team.

(Da wollen die Minireporter doch gleich wissen, wie lange es die Mannschaft schon gibt. Wir haben das Team 1999 gegründet und 2001 unsere erste Saison gespielt.)

 

Maya Thiele: Was ist das Besondere am Football?

 

Football ist ein taktisches Spiel. Das ist wie Schach: Jeder hat seine Aufgaben und wenn er die erfüllt, dann funktioniert es auch. Football ist auch sehr körperbetont, oder kennt ihr eine Sportart, bei der man mit dem ganzen Körper in den Gegner rennen kann?

(Nun gibt es viele fragende Gesichter bei den Minireportern und so richtig fällt keinem eine Sportart ein, in der man das darf.)

 

Titus Tempel: Warum sind Sie Football-Trainer geworden?

 

Ich bin da so reingerutscht, es war kein anderer da.

(Ob es eine spezielle Ausbildung zum Football-Trainer gibt, ist eine Zwischenfrage. Man muss eine Übungsleiterlizenz haben, sonst gibt es keine spezielle Ausbildung.)

 

Brajan Bloch: Warum spielen Sie und Ihr Team nicht bei einer Weltmeisterschaft mit? Gibt es überhaupt eine Football-WM?

 

Ja, es gibt eine WM. Da spielen dann aber nur die Nationalmannschaften eines Landes. Und in diesen Mannschaften sind nur Spieler aus der ersten Liga. Wir spielen mit unserer Mannschaft ja in der 5. Liga, bei der WM spielt also keiner von uns mit.

(Dass es eine WM gibt, damit haben einige in der Runde nicht gerechnet. Nach der WM 2003 und der EM 2010 wird der deutsche Football-Verband zum dritten Mal ein großes Turnier ausrichten, nämlich die Europameisterschaft 2018. Maya fragt sich, ob der Ball denn auch geschossen wird. Ja, meistens mit dem Spann.)

 

Lya Berngruber: Was war Ihr schwerstes Spiel?

 

Das war in der vergangenen Saison gegen die Oldenburg Outlaws. Es war ganz lange eine Patt-Situation in der Partie, wo beide Mannschaften sich in der Spielfeldmitte festgesetzt haben. Wir haben erst im letzten Quarter sieben Punkte gemacht und das Spiel so entschieden.

(Was den Quarter sind, wollen die Minireporter wissen. Wir spielen vier Viertel und ein Viertel heißt bei uns Quarter.)

 

Lya Harms: Spielen Sie auch selbst? Und auf welcher Position?

 

Jetzt spiele ich nicht mehr. Früher war ich aber aktiv und habe auf der Position als Running-Back gespielt.

(Das wirft sofort die nächste Nachfrage auf. Nun wollen die Minireporter, allen voran Lina-Sophie Wiesner, natürlich wissen, was ein Running-Back ist. Ganz einfach ausgedrückt, muss der den Ball fangen und möglichst lange damit nach vorne laufen. Wir haben im Football ja Endzonen, in die wir den Ball tragen müssen. Dann gibt es sechs Punkte und das nennen wir Touchdown. Ob das nicht einfach sei, ist die nächste Zwischenfrage. Na ja, erst einmal musst du ja dahinkommen, denn elf Gegner wollen genau das verhindern und tackeln dich. Nun fragt Maya Thiele, ob es verschiedene Tackle-Arten gibt. Es gibt sogar sehr viele, genauso wie es viele Blocktechniken gibt, antwortet Johannes Podeschwa.)

 

Sarah Schmidt: Wie entstand Ihre Mannschaft?

 

Ein Freund von mir fragte mich, ob ich nicht Spaß hätte, hier ein Football-Team zu gründen. Bevor ich richtig überlegen konnte, hat er mich sozusagen einfach überfahren und einen Aufruf gestartet. An dem Tag kamen dann über 100 Leute, und ich dachte, wenn so viele Interesse haben, dann mache ich das.

 

Eric Scholzen: Wie lange dauert ein Spiel?

 

Wie schon erwähnt, spielen wir vier Quarter. Die dauern bei uns neun Minuten. Das ist allerdings reine Spielzeit, denn die Uhr wird ganz oft angehalten. So ein Spiel kann dann schon einmal über zwei Stunden dauern, obwohl die reine Spielzeit ja nur viermal neun Minuten ist. In Amerika spielen sie 15 Minuten pro Quarter.

 

Davis Terre: Wie viele Mannschaften gibt es in Deutschland?

 

Oh, da hast Du mich auf dem falschen Fuß erwischt. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich das nicht sagen kann. Es sind aber ganz viele.

 

Nicklas Klotz: Wie viele Mannschaften sind in einer Liga?

 

Das ist unterschiedlich. In unserer Liga sind es sieben Mannschaften, in der 1. Liga sind es 20 Teams. Und in der vergangenen Saison hat man aus der Landesliga zwei Gruppen gemacht, da waren in jeder Gruppe nur vier Teams.

 

Lina-Sophie Wiesner: Wieso heißt Ihr Team ausgerechnet Emden Tigers?

 

Tja, warum Tigers? Wir haben darüber abgestimmt. Tigers war der Vorschlag meiner Frau, ich habe erst an etwas von der Küste gedacht, wie Dolphin (englisch für Delfin).

 

Maya Thiele: Wie heißen Ihre Lieblingsmannschaft und Ihr Lieblingsspieler?

(Sicher Tigers, murmeln einige Minireporter.)

 

Mein Lieblingsteam sind die Miami Dolphins aus Amerika. Und mein Lieblingsspieler ist Walter Payten von den Chicago Bears, der war in den 80er-Jahren ein ganz bekannter Running-Back. Auf der Position habe ich ja auch gespielt.

 

Titus Tempel: Welche Bedingungen muss man erfüllen, um Football zu spielen?

 

Körperlich keine, bei uns spielen dünne, dicke, lange und kleine Spieler. Du musst das Herz am richtigen Fleck haben, soll heißen, der Sport muss dir Spaß machen.

(Titus Tempel meint noch, dass Football sicherlich schwer ist. Nein. Jeder kann den Sport machen. Für jede Position gibt es bestimmte Anforderungen und da muss dann der Spieler seine Fähigkeiten haben. Einige Minireporter beschließen, vielleicht einmal zum Training zu gehen. Ihr könnt ja am Samstag um 15 Uhr ins Kickersstadion kommen, da haben wir unser zweites Saisonspiel. Auch das scheint für die Minireporter interessant zu sein, einige wollen da hin.)

 

Brajan Bloch: Ist es gefährlich, Football zu spielen?

 

Ich würde lügen, wenn ich sage, es ist ungefährlich. Jemand anderes im Spiel kann dich natürlich verletzen.

(Maya Thiele wirft ein, dass man sich zu Hause beim Häkeln ja auch die Nadel ins Auge stechen kann.)

Na, da wärst du aber selber schuld, wenn du dir die Häkelnadel ins Auge stichst. Wir sind deshalb ja so geschützt, wie ich euch das gezeigt habe. Und die Spieler verfügen über entsprechende Techniken, wie sie einen Angriff abwehren, damit sie sich nicht verletzen.

 

Lya Berngruber: Haben Sie sich schon einmal schwer verletzt?

 

Wie man das nimmt, ich hatte schon die Schulter gebrochen, die Nase und auch schon einen Achillessehnenriss. Aber ich kann laufen und von den Verletzungen ist nichts zurückgeblieben.

 

Lya Harms: Spielen bei Ihnen auch Mädchen?

 

Ja, wir haben eine Damenmannschaft. Und bei den Flaggis... (Was ist das denn, fragen die Minireporter) ...das sind die Kleinen, die gerade mit dem Football anfangen. Also, bei den Flaggis spielen Mädchen mit.

 

Sarah Schmidt: Wie viele Spiele haben Sie schon gewonnen?

 

Das kann ich nicht genau sagen. Aber in der letzten Saison haben wir alle sechs Spiele gewonnen und sind Meister geworden.

 

Eric Scholzen: Gibt es in Ostfriesland noch andere Football-Teams?

 

Ja, die Eastfrisian Ducks in Aurich, die haben sich im letzten Jahr gegründet.

 

Davis Terre: Konnte einer Ihrer Spieler aufgrund einer Verletzung nicht mehr spielen?

 

Nein, wir haben immer mal Verletzte. Das einer aber aufhören musste mit dem Football, hatten wir noch nicht.

(Maya Thiele möchte wissen, ob ein Spieler von Johannes Podeschwa auch ein Six-Pack hat. Ja, da gibt es einige bei uns.)

 

(Dokumentiert von Dirk de Vries)

13.05.2017, 16:57 Uhr