„Darauf steht noch Nordseewerke“

EZ-Minireporter: 18 Grundschüler aus acht Schulen sind mit Block und Bleistift unterwegs. Diesmal 
stellte sich der Geschäftsführer der Emder Werft und Dock GmbH, Christian Eckel, den Fragen.

Haben sich über die interessanten Fragen der Minireporter der Emder Zeitung gefreut: Werftchef Christian Eckel (hinten Mitte) und der stellvertretende Dockmeister Holger Stomberg (hinten rechts). Foto: Dirk de Vries

Emden. Die Frage- und Antwortrunde zwischen den EZ-Minireportern und dem Chef von EWD, Christian Eckel, war wieder einmal sehr informativ. Denn die jungen Grundschüler wollten einiges wissen. Im Anschluss ging es dann raus auf das große Werftgelände und da hatte der stellvertretende Dockmeister und neue Betriebsratschef, Holger Stomberg, eine Menge zu erzählen.
Für die Nachwuchsjournalisten ist es immer wieder ein besonderes Erlebnis, wenn es auch noch viel zu sehen gibt. Im Dock lag ein Schiff zur Reparatur und die Schüler durften einmal um das Schiff gehen. Dazu erklärte Stomberg viele interessante Dinge, wie beispielsweise zum Ruder, Anstrich oder wie ein Schiff ins Dock kommt - das wusste allerdings mancher der Minireporter schon. Und die Nachwuchsjournalisten haben gelernt, was eine Opfer-Anode an so einem Schiff macht. Leon Redenius fiel auf, dass auf dem großen Kran ein anderer Name steht. Da steht noch Nordseewerke.” Später fiel ihm auch noch ein, dass der Kran Bockkran genannt wird.
Bevor allerdings die Fragerunde startete, haben die Minireporter im Konferenzraum längst entdeckt, dass Getränke und Süßigkeiten auf dem Tisch stehen, an denen sie sich bedienen durften. Und das machten sie auch.

Thilko Kleen, Grundschule Larrelt (sein Mund ist noch voll): Wie viele Schiffe werden im Jahr repariert?

Dr. Christian Eckel:  In einem Jahr kommen so zwischen 50 und 100 richtig große Schiffe zu uns. Daneben arbeiten wir aber auch an vielen kleineren Aufträgen.

Niklas Eilers (GS am Wall): Wie bekommen Sie einen Auftrag für eine Schiffsreparatur?

Wir haben einen Vertrieb, der ganz viele Reedereien, also die Eigentümer der Schiffe, kennt, und ständig versucht, Aufträge für uns hereinzuholen. Es kommen zu uns aber nicht nur zu reparierende Schiffe, sondern auch Schiffe, die routinemäßig überprüft und gewartet werden müssen. Das müsst ihr euch so vorstellen wie beim TÜV. Ansonsten ruft entweder jemand an und fragt, ob wir Platz im Dock haben und was gemacht werden muss. Oder es gibt Schiffsmakler, die bringen die beiden Parteien (Schiff und Reparaturwerft) zusammen.

Finja Schrader (GS Larrelt): Welche Schiffsarten reparieren Sie? Sind da auch Jachten dabei? Oder Fähren und Kreuzfahrtschiffe?

Wir haben hier eine große Vielfalt an Reparaturen. Und dass du Jachten ansprichst, ist interessant, denn wir wollen in diesen Bereich noch mehr einsteigen. Die Jachten haben mitunter einen sehr hohen Wert und wir müssen entsprechend damit umgehen. Allerdings haben wir noch nicht so viele repariert. Inselfähren reparieren wir regelmäßig, für größere Schiffe fehlen uns allerdings die Möglichkeiten.

Sanja Neemann (GS Petkum): Wie groß war das größte Schiff, das Sie repariert haben?

Also, das ist jetzt vier Jahre her, da hatten wir ein 2700 Container fassendes Schiff hier mit einer Breite von 29,8 Metern. Unser großes Dock hat eine Einfahrtbreite von 30 Metern. (Nun stellt der Werftchef eine Frage: Wie viel Platz blieb da? Die Minireporter überlegen und rechnen. Leon haut schon einmal ein „nicht viel“ raus, bevor er sagt, dass das nur zehn Zentimeter Platz auf jeder Seite hatte.)

Tobias Höppner (GS Petkum): Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie?

Rundweg 100 Mitarbeiter, darunter auch acht Auszubildende. (Christian Eckel betont, dass EWD es wichtig findet, junge Menschen auszubilden. Da wollen die Grundschüler sofort wissen, welche Berufe das sind. Früher hat man die beispielsweise Schlosser, Dreher, Schiffbauer genannt, antwortet der Werftchef und ergänzt: Wir beschäftigen ausschließlich Mitarbeiter, die eine solide berufliche Ausbildung durchlaufen haben. (Die Minireporter werfen ein, dass ihr Opa oder Vater auch Facharbeiter sind.)

Lara Hartmann (GS am Wall): Wie lange dauert die Reparatur eines Schiffes?

Für die normalen Reparaturen, also wenn ein Schiff routinemäßig alle zweieinhalb oder fünf Jahre überprüft wird, dann dauert das so um zehn Tage. Aber gerade heute haben wir wieder ein Schiff zur See geschickt, das war 10 Monate hier. (Leon will natürlich wissen, warum das so lange dauert. Es hat sich beim Reparieren ergeben, dass doch mehr kaputt war, sagte Christian Eckel.)

Yamin Belarbi (GS Constantia): Seit wann gibt es die Werft in Emden?

(Christian Eckel hält eine Serviette hoch.) Diese Servietten hatten wir zur 100-Jahr-Feier, das war 2003. Die Werft gibt es also seit 1903. (Das ist ganz schön alt, meinen einige Minireporter.)

Florian Machold (GS Grüner Weg): Wem gehört die Werft?

Sie gehört Gesellschaftern, die ihr Geld anlegen und hoffen, mit ihrer Anlage Gewinn zu machen.

Elisa Harms (GS Grüner Weg): Wie gelangen die kaputten Schiffe zur Werft?

Die meisten Schiffe kommen noch aus eigener Kraft und erst im Hafen unterstützt sie dann ein Schlepper, damit sie sicher zum Liegeplatz kommen. Es kann aber auch passieren, dass kaputte Schiffe die ganze Zeit bis nach Emden geschleppt werden müssen.

Erja Tempel (GS Grüner Weg): Ist es schwierig, ein Schiff zu reparieren?

Schwierig ist relativ. Für uns ist es das nicht, denn wir sind alles Fachleute und können das. Wir haben auch Fremdfirmen beschäftigt, aber die können das auch.

Till Prescher (GS Constantia): Konnten Sie ein Schiff schon einmal nicht reparieren?

Ich kann mich nicht erinnern, bisher haben wir jedes Schiff wieder hinbekommen.

Leon Redenius (GS Loppersum): Stehen Sie mit anderen Werften in Kontakt?

Ja, wir kennen die Kollegen und treffen uns auch. (Die Frage kommt von den Minireportern, ob die anderen Werften Konkurrenz wären und woher? Es sind andere deutsche Werften und auch aus Polen sowie den Niederlanden, die für uns Konkurrenten sind, sagte Christian Eckel.)

Jannik Timmersmann (GS im Gulfhof Loquard): Wie viele Schiffe können hier auf einmal repariert werden?

Wie haben drei Docks und die Pier, wo die Schiffe liegen können. (Holger Stomberg wirft ein, dass in Spitzenzeiten schon einmal elf Schiffe bei der EWD lagen und sich die Arbeiten daran überlappt haben.)

Thilko Kleen: Aus welchen Ländern kommen die Schiffe?

Das ist eine gute Frage. Jedes Schiff fährt unter einer Flagge und wenn ihr einmal genau darauf achtet, werdet ihr sehen, dass es fast keine deutschen Flaggen mehr auf den Schiffen gibt, sondern nur Flaggen von irgendwelchen fernen Ländern. Das hat vor allem Kostenvorteile für die Reeder, weil es in anderen Ländern billiger als in Deutschland ist, ein Schiff zu registrieren. Die Schiffe gehören aber oft deutschen Reedereien.

Niklas Eilers: Wo machen Sie am liebsten Urlaub?

(Auf dem Schiff - kommt es von den Minireportern.) Nein, in den Bergen, wir fahren zum Wandern nach Österreich. (Da fahren wir auch immer hin, eine Woche vor meinem Geburtstag, sagt Finja.) Meine Söhne wandern auch gerne und kommen sogar mit, obwohl sie 20 und 23 Jahre alt sind.

Finja Schrader: Welchen Beruf haben Sie erlernt?

Ich bin Ingenieur geworden, ich verstehe etwas davon, wie ein Schiff funktioniert. Ich habe studiert und bin vor 29 Jahren hier angefangen. (Thilko will wissen, wie lange Christian Eckel studiert hat? Sechs Jahre, antwortet er, was wiederum Leon zu dem Einwand hinreißen lässt: Hast du oder musstest du? Da muss sogar der Werftchef lachen.)

Tobias Höppner: Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?

Ich wollte das unbedingt, mit zwölf Jahren war mir schon klar, dass ich einmal Ingenieur werden will.

Lara Hartmann : Gab es schon Tage, an denen Sie keine Lust zum Arbeiten hatten?

Ich habe nicht jeden Tag Lust, aber die guten Tage überwiegen eindeutig. Mein schlechtester Tag hier auf der Werft war, als ThyssenKrupp (die Nordseewerke gehörten einmal zu dem Unternehmen) den Neubau von Schiffen hier in Emden eingestellt hat. Ich musste das der Belegschaft erklären, und das war für uns alle ein sehr harter Tag.

Yamin Belarbi: Haben Sie schon einmal eine Kreuzfahrt gemacht?

Nein, vielleicht mache ich aber einmal eine Kreuzfahrt mit den Hurtig-Routen durch die Fjorde Norwegens zum Nordkap.

Elisa Harms: Haben Sie Haustiere?

Nein, haben wir nicht.

Erja Tempel: Was ist Ihr Lieblingsessen?

Alles, was die italienische Küche hergibt, allerdings ohne Krustentiere. (Also Pizza, Spaghetti und Baguette, kommt es aus der Runde. Doch Florian sagt, dass Baguette doch aus Frankreich kommt.)

Till Prescher: Sind Sie verheiratet und haben Sie Kinder?

Ja und ich habe drei Jungs. (Keiner der sonst so hellhörigen Minireporter, selbst Leon nicht, hat aufgepasst, denn Christian Eckel sagte bei einer Frage, dass seine 20 und 23 Jahre alten Söhnen auch mit zum Wandern kommen. Und dann drei Söhne? Er hat Zwillinge im Alter von 20 Jahren.)

Florian Machold: Wieso nehmen Sie an dieser Befragung teil?

Ich bin ehrlich und sage, dass ich mich auch geschmeichelt fühle, von euch ausgewählt worden zu sein. Und ich finde, dass es eine ganz tolle Sache ist, wenn Kinder wie ihr so an die Zeitung gewöhnt werden. Ich lese die Minireporter-Seite immer sehr gerne und finde die Idee dahinter ganz gut. (Leon sagt, dass sein Vater die Zeitung online liest. Armin Göring, Marketing- und Vertriebsleiter bei der Emder Zeitung wirft ein, dass jeder 2. Haushalt in der Stadt keine Zeitung mehr hat. Deshalb ist das hier mit euch auch so toll, sagt der Werftchef.)

Dokumentiert von: Dirk de Vries - 0 49 21 / 89 00-442

26.05.2018, 12:04 Uhr