Arbeiten in einer „exotischen” Dienststelle

Diesmal sind die Nachwuchsjournalisten bei der Wasserschutzpolizei. Mario Metz, stellvertretender Chef, und Vicky Fricke, Pressesprecherin, stellen sich den bohrenden Fragen.

Nach den Fragen an Vicky Fricke und Mario Metz (links) gab es auch etwas zu sehen: Die Minireporter enterten das Schiff der Wasserschutzpolizei. Foto: Dirk de Vries

Diesmal sind die Nachwuchsjournalisten bei der Wasserschutzpolizei. Mario Metz, stellvertretender Chef, und Vicky Fricke, Pressesprecherin, stellen sich den bohrenden Fragen.

Die Minireporter der Emder Zeitung fühlten diesmal den stellvertretenden Chef der Wasserschutzpolizei Emden, Mario Metz (44), auf den Zahn. Der hatte sich mit Pressesprecherin Vicky Fricke (36) tatkräftige Unterstützung „ins Boot” geholt. „Ich freue mich, dass ich euch in einer etwas exotischen Dienststelle begrüßen kann”, sagte Metz. Das Highlight für die jungen Nachwuchsjournalisten war sicherlich, dass sie noch an Bord eines Polizeibootes durften.

 

Amelie Balzer: Seit wann gibt es die Wasserschutzpolizei?

 

Mario Metz: Nagelt mich nicht auf den Tag fest, aber wir feiern in diesem Jahr unser 70-jähriges Jubiläum.

Vicky Fricke: Es gibt in Nienburg ein Museum mit einer Sonderausstellung zur Wasserschutzpolizei.

 

Rieke Janssen: Was sind die Aufgaben der Wasserschutzpolizei?

 

Mario Metz: Einfach gesagt, gucken wir auf dem Wasser, ob sich alle an die Regeln halten. Ein größerer Einsatz von mir waren die Atomtransporte. Und der G 8-Gipfel in Warnemünde brachte uns vielfältige Aufgaben.

 

Sandra Kirchhoff: Wie lange müssen Sie täglich arbeiten?

 

Mario Metz: Wir haben eine 40-Stunden-Woche. Es kann auch passieren, dass wir länger arbeiten müssen, beispielsweise bei größeren Einsätzen. Ab 22 Uhr abends übernimmt aber die Wasserschutzpolizei Wilhelmshaven.

Vicky Fricke: Wir arbeiten in der Woche acht Stunden jeweils von 6 bis 14 Uhr und von 14 bis 22 Uhr. Am Wochenende jeweils zehn Stunden.

 

Mentje Tammena: Ab wann darf man Boot fahren und mit wie viel PS?

 

Mario Metz: Boote unter einer gewissen Motorisierung sind führerscheinfrei. Bei einer Motorisierung mit 15 PS muss der Bootsführer aber mindestens 16 Jahre alt sein.

 

Ole Eicklenborg: Welches Gebiet und welches Gewässer befahren Sie?

 

(Mario Metz tritt an eine an der Wand hängende Karte, um das große Gebiet der Zuständigkeit einmal zu zeigen).

Also, hier von der Ems bei Kilometer Null nach Borkum und von dort bis Baltrum. Mit 20 Mitarbeitern ist dieses Gebiet abzuarbeiten recht sportlich.

(Mario Metz geht kurz darauf ein, mit welchen Booten die Wasserschutzpolizei arbeitet.

In Norddeich liegt ein Schlauchboot, das ist 45 Knoten schnell.

Bevor die Minireporter, denen es schon auf den Zungen liegt, fragen können, was in diesem Fall Knoten bedeutet, schiebt Metz nach, dass das ungefähr 90 Stundenkilometer schnell sei).

 

Lina Klöcker: Haben Sie auch Waffen?

 

Mario Metz: Ja, wir haben Pistolen, aber auch Maschinenpistolen. Die müssen wir aber ganz selten einsetzen.

(Einigen Minireportern ist anzusehen, dass sie gerne einmal eine Maschinenpistole sehen wollen, sie verkneifen sich aber die Frage).

 

Julius Janssen: Haben Sie ein eigenes Boot?

 

Nein (sagen beide fast zeitgleich).

Vicky Fricke: Einige von euch haben sicher ein Haustier und darum müsst ihr euch viel kümmern. Bei einem Boot wäre das auch so, nur zehnmal so teuer und zeitaufwendig.

 

(Die Minireporter merken, dass sich die nächste Frage eigentlich schon optisch erübrigt hat, sowohl Mario Metz als auch Vicky Fricke tragen Uniform).

 

Eric Scholzen: Tragen Sie auch Uniform?

 

Vicky Fricke: Ja, aber sie sieht anders aus als bei der Schutzpolizei. Ein bisschen wie bei der Seefahrt.

Mario Metz: Für die Schifffahrt haben wir die 'richtige' Uniform, für die Bevölkerung die falsche.

 

(Da sich die Frage ja eigentlich erübrigt hat, darf Eric auch die nächste stellen).

 

Eric Stolzen: Welche Ausbildung benötigen Sie? Müssen Sie schwimmen können? Und sind Sie für die Ausbildung auf eine normale Polizeischule gegangen?

 

Vicky Fricke: Es ist eine spezielle Ausbildung auf der Wasserschutzpolizeischule in Hamburg, die alle besuchen müssen, die gerne zu uns wechseln wollen. Vorher muss man aber Polizist sein. Man braucht das Bronzeabzeichen als Rettungsschwimmer und ein Gesundheitscheck, der einem die Seediensttauglichkeit bescheinigt. Und man muss Englisch können, weil das die Hauptsprache in der Seefahrt ist. Wir sind hier eine kleine und sehr familiäre Gruppe.

Mario Metz: Ergänzend dazu kann ich sagen, dass wir eine suchende Polizei sind. Die Polizei an sich ist zu rund 85 Prozent eher fremdgesteuert, reagiert auf Beschwerden, Anzeigen und mehr. Wir suchen uns die Schiffe gezielt aus.

 

Amelie Balzer: Warum muss die Deutschlandfahne immer gezeigt werden?

 

Mario Metz: Das schreibt das Flaggenrechtgesetz vor. Jedes Schiff muss eine Flagge zeigen.

 

Rieke Janssen: Haben Sie beim Einsatz auf dem Wasser auch Sirenen?

 

Mario Metz: Haben wir nicht. Wir haben wie die meisten Boote und Schiffe Funk und kommunizieren damit.

 

Sandra Kirchhoff: Haben Sie schon mal jemanden an/abgeschossen?

 

Mario Metz: Bisher habe ich das Glück gehabt, dass ich die Waffe nie ziehen musste. Das ist in der Schifffahrt auch nicht so häufig wie bei der Polizei. Wir schauen ja auf den Schiffen, ob alles in Ordnung ist und dafür sorgt meistens der Kapitän.

(Was alles kontrolliert wird, so eine Zwischenfrage).

Ob alles eingehalten wird, wie beispielsweise Regeln, Gesetze oder auch Umweltauflagen. Ihr müsst wissen, dass der Müll bei Seeschiffen hochgradig giftig ist, dass dürfen die nicht einfach über Bord pumpen. Wir kontrollieren auch beispielsweise bei Gefahrguttransporten, ob alles nach dem Gefahrgutrecht eingehalten wird und der Kapitän über die betreffenden Befugnisse verfügt. Das internationale Recht regelt, was wir alles dürfen.

 

Mentje Tammena: Haben Sie schon einmal eine Wasserleiche gefunden?

 

Mario Metz: Ich persönlich nicht, auf dieser Dienststelle schon mehrere.

Vicky Fricke: Wir haben auch ein Sonarboot, das bei der Leichensuche eingesetzt wird.

(Sie versucht, den Minireportern zu erklären, was das Sonar macht, weil die das wissen wollen. Die Erklärung gibt sie perfekt, die fragenden Gesichter der Nachwuchsjournalisten bleiben).

 

Ole Eicklenborg: Was war Ihr schwierigster Einsatz?

 

Mario Metz: Von der menschlichen Seite her sind es immer die Einsätze, wo Leute zu Schaden kommen. Wir haben einmal einen auf See verunglückten Taucher gehabt. Die Gespräche mit dem Taucher werden aufgenommen, wenn er unter Wasser arbeitet. Und in der nachträglichen Aufarbeitung mitzuerleben, wie er stirbt, war schon sehr schwer. Fachlich schwer waren die Atomtransporte, weil das immer eine Menge Arbeit mit sich bringt.

(Ole Eicklenborg will noch etwas zu den Wasserleichen wissen, nämlich, ob die Wasserschutzpolizei weiß, wie es zu dem Unglück gekommen ist und ob schon jemand Selbstmord begangen hat. Beide Fragen kann Mario Metz mit ja beantworten, denn das würden die Ermittlungen ergeben und Selbstmörder, die ins Wasser gehen, gebe es öfter. Die Aufklärung wäre aber Sache der Schutzpolizei).

 

Lina Klöcker: Gab es schon einmal Verhaftungen auf dem Wasser?

 

Vicky Fricke: 2009 das letzte Mal, meine ich, es ist auf jeden Fall schon lange her. An Bord ist der Kapitän der Chef und die Mannschaft ordnet sich ihm unter. Wir haben bei uns weniger Auffälligkeiten, dass wir jemanden verhaften müssen.

 

Julius Janssen: Was waren die merkwürdigsten Dinge, die Sie gefunden haben?

 

Vicky Fricke: Wenn Tiere verenden, ist das für euch sicher merkwürdig, für uns ist das alltäglich. Die Walstrandungen im vergangenen Jahr waren für mich aber sehr traurig.

Mario Metz: Ich finde es merkwürdig, wenn immer mal wieder Munitionskisten gefunden werden.

 

Eric Scholzen: Was passiert, wenn jemand in Seenot gerät?

 

Mario Metz: Wenn jemand Kenntnis davon hat, ruft er die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Die regeln das im Normalfall. Wenn ein Boot kentert, es also ein Seeunfall ist, dann sind wir wieder am Zuge.

 

Amelie Balzer: Warum haben Sie diesen Beruf gewählt?

 

Mario Metz: Ich habe Elektrotechnik studiert, aber gemerkt, dass ich das nicht mein Leben lang machen möchte. Über einen Freund bin ich zur Polizei gekommen.

Vicky Fricke: Die Hälfte in meiner Familie war immer schon Uniformträger. Mir gefällt der Umgang mit Menschen und das Helfen liegt mir.

 

Rieke Janssen: Sind Sie Beamter?

 

Ja, antworten beide.

 

Sandra Kirchhoff: Sind Sie Seekrank?

 

Vicky Fricke: Ja und Nein. Vor Borkum gibt es manchmal hohe Wellen und das merkt man schon.

Mario Metz: Immer, wenn man nichts sieht, also unter Deck, dann werde ich schon mal grau. Es gibt aber Medikamente dagegen.

 

Mentje Tammena: Werden Sie auch manchmal mit einem Straßenpolizisten verwechselt?

 

Mario Metz: Die Streifenwagen schon, wir haben ja die gleichen Autos. Im Hemd, so wie jetzt, stutzen erst einmal die Leute und sagen, dass sie eigentlich zur Schutzpolizei wollten.

 

Ole Eicklenborg: Was haben Sie für Hobbys?

 

Mario Metz: Erst einmal habe ich drei Kinder, da bleibt nicht viel Zeit. Ich gehe gerne zum Sport und habe eine Elektronikaffinität.

Vicky Fricke: Kampfsport (kommt wie aus der Pistole geschossen). Mein Mann (Jens Fricke) hat hier in Emden eine Kampfsportschule (Osaka Sport Center Emden). Beruf, Familie und Sport kann ich so gut verbinden. Außerdem bin ich Trainerin und für die Abwehr- und Angriffstechniken hier bei der Wasserschutzpolizei zuständig.

 

Noch mal Ole Eicklenborg: Sind Sie sauer, wenn wir Kinder nicht Wasserschutzpolizei sagen, sondern Enten-FBI?

 

Mario Metz: Nein, bin ich nicht. Da sind wir Härteres gewohnt.

20.05.2017, 16:53 Uhr