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8. März: Internationaler Frauentag

Die AWO informiert zum Internationalen Frauentag über die vielfältigen Angebote.

Am 8. März wird der Internationale Frauentag gefeiert. Der Tag ist ein Symbol für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Er wurde vor über 100 Jahren ins Leben gerufen und fand erstmals am 19. März 1911 statt. Seit 1921 wird er jährlich am 8. März gefeiert.

„Wir möchten den diesjährigen Frauentag nutzen, um auf die vielfältigen Angebote aufmerksam zu machen, die die Arbeiterwohlfahrt in Emden speziell für Frauen anbietet“, sagte der 1. Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Emden e.V., Friedhelm Merkentrup. Im Gespräch mit Gabriele Horn, Einrichtungsleiterin vom Frauenhaus und BISS Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt und Okka Fekken, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Emden, ergaben sich die folgenden Schwerpunkte:

 

Historie zur Gründung der Arbeiterwohlfahrt (AWO):

Marie Juchacz ist die Begründerin der Arbeiterwohlfahrt und hatte eine bedeutende Rolle in der Geschichte der deutschen Frauenbewegung und im Kampf um die Gleichberechtigung der Frauen. Sie war die erste Frau, die in einem deutschen Parlament die Rednerbühne betrat und sich für das Frauenwahlrecht einsetzte.

1917 übernahm sie die Stelle der zentralen Frauensekretärin der SPD in Berlin. Im Oktober wurde sie als einzige Frau in den Parteivorstand der nach einer Abspaltung verbliebenen Mehrheitssozialdemokratie MSPD gewählt.

Ihr politischer Schwerpunkt war die Sozialpolitik. Sie wandte sich der besonderen Notlage und dem besonderen Fürsorgebedürfnis der Mütter zu, die bedingt durch die Kriegsjahre zunehmend erwerbstätig geworden waren und deren Existenzbedingungen sich zunehmend verschlechtert hatten. 

Im Januar 1919 wurden Marie Juchacz und ihre Schwester Elisabeth Kirschmann-Roehl in die Verfassungsgebende Versammlung der Weimarer Republik gewählt, wo Marie

Juchacz im Verfassungsausschuss mitarbeitete. Dort beantragte sie beim Paragraphen 9 den Passus „Männer und Frauen haben die gleichen staatsbürgerlichen Rechte“ und wandte sich vergebens dagegen, dass dieses Gleichheitsgebot durch die Einfügung von „grundsätzlich“ eingeschränkt wurde.

In ihrer ersten Rede vor dem Parlament am 19. Februar 1919 stellte sie ihre Sichtweise von den besonderen Stärken der Frauen dar, die nun mit aktivem und passivem Wahlrecht ausgestattet waren - eine historisch bedingte Sichtweise, die teilweise bis heute das Bild von der Frau prägt.

Im gleichen Jahr setzte Marie Juchacz ihre Idee um, eine sozi- aldemokratische Wohlfahrtspflege zu gründen. Sie rief den „Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt“ beim Parteivorstand der SPD am 13.12.1919 ins Leben und übernahm den Vorsitz in der Arbeiterwohlfahrt.

Seit ihrer Gründung kämpft die AWO für eine geschlechtergerechte Gesellschaft. Die Forderungen nach einem selbstbestimmten, gewaltfreien und ökonomisch abgesicherten Leben für alle Frauen sind auch heute noch aktuell. Basierend auf der Solidarität mit Frauen in allen Lebenslagen engagiert sich die AWO in vielen Bereichen für Geschlechtergerechtigkeit.

In ihren Schwangerschaftsberatungsstellen, frauenspezifischen Gesundheitsangeboten wie Mutter-Kind-Kuren, Frauenhäusern und Frauenberatungsstellen und vielen anderen sozialen Dienstleistungen finden Frauen umfassende Hilfe und Unterstützung. Auf der Bundesebene setzt sich die AWO unter anderem für körperliche und sexuelle Selbstbestimmung von Frauen ein und engagiert sich in der Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt. Einige dieser Angebote gibt es auch in Emden.

 

40 Jahre Frauenhaus Emden

Die Frauenbewegung Anfang der 70er hatte das Thema „Gewalt gegen Frauen“ zum Teil enttabuisiert und zur Einrichtung der ersten Frauenhäuser unter anderem in Berlin und in Wilhelmshaven geführt. Auch in Emden machten sich viele engagierte Frauen für ein Frauenhaus stark.

Am 28. November 1979 fand die erste große öffentliche Veranstaltung zur Gründung eines Frauenhauses für Ostfriesland statt. Der Bezirksverband Weser-Ems der Arbeiterwohlfahrt signalisierte Interesse an der Trägerschaft. Ein Förderkreis „Ein Frauenhaus für Ostfriesland“ wurde gegründet.

Im Jahre 1980 wurde eine Notaufnahmewohnung für misshandelte Frauen mit ihren Kindern in der Douwesstraße eingerichtet. Zwei Jahre später wurde eine Vier-Zimmerwohnung als Frauennotunterkunft eingerichtet. Der Verein „Frauen helfen Frauen e.V.“ gründete sich. Ehrenamtliche Helferinnen, Studentinnen und ehemalige Frauenhausbewohnerinnen arbeiteten in der Notwohnung, die nach und nach zum Frauenhaus wurde. Zwei Stellen wurden als Arbeitsbeschaf fungsmaßnahmen über Arbeitsamt bewilligt. Im Dezember 1986 übernahm die Arbeiterwohlfahrt (AWO) die Trägerschaft.

Die Aufenthaltsdauer der Bewohnerinnen verkürzte sich und führt zu Veränderungen in der Arbeit des Frauenhauses. Nachgehende und ambulante Beratungen nehmen zu. Im Zeitraum von 1996 bis 2003 fanden jährlich rund 300  sozialpädagogische Beratungsgespräche statt. Die Einführung des Gewaltschutzgesetzes im Jahr 2001 veränderte auch die Arbeit im Frauenhaus: die Belegzahlen sanken zunächst – die Zahl der ambulanten Beratungen stieg weiter an. Die Einrichtung der „BISS - Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt“ stellt seitdem eine zusätzliche Verbesserung der Versorgung von betroffenen Frauen dar. Im Jahr 2003 musste das Frauenhaus personelle Einschnitte aufgrund von Kürzungen im Sozialbereich hinnehmen – gleichzeitig sicherte die Stadt Emden die Arbeit durch eine  Leistungsvereinbarung ab – das Frauenhaus ist nun eine Pflichtleistung der Stadt; die Frauenberatung findet nicht mehr extern, sondern nach Anmeldung im Frauenhaus statt. Seit 2005 ist die „BISS“ an das Frauenhaus Emden angegliedert.

Im Rahmen eines ostfrieslandweiten Projekts wird seit 2010 die sogenannte „Täterarbeit“ angeboten und über das Land Niedersachsen finanziert. „Das ist ein wichtiger Baustein im Rahmen der Interventionskette bei häuslicher Gewalt und ist noch ausbaubar, da nur Gruppenangebote gefördert werden“, erklärte Gabriele Horn. „Einzelberatung wäre aber auch oft hilfreich.“

 

Seit 2017 wird eine Paarberatung bei häuslicher Gewalt angeboten. „Dies ist ein weiterer Baustein, um dem individuellen Hilfebedarf gerecht zu werden“, so die Diplom-Sozialarbeiterin. „Das ist kurzfristig von der Stadt Emden finanziert worden – benötigt aber nun weitere finanzielle Hilfen.“ Aus diesem Grund wird auch weiterhin um Spenden gebeten.

SPENDENKONTO

Sparkasse Emden

IBAN: DE64 2845 0000 0000 0625 96

BIC: BRLADE21EMD

Ein besonderes Augenmerk legen die Verantwortlichen auch auf die Kinder. Ein Konzept zur intensiveren Unterstützung der Kinder im Frauenhaus wird  derzeit erarbeitet.  „Der individuelle Hilfebedarf für bestimmte Kinder ist so groß, dass er vom derzeitigen Personal des Frauenhauses nicht geleistet werden kann“, sagte Horn. Außerdem ist eine Verstärkung des Gewaltschutzes für Flüchtlingsfrauen, Frauen mit Behinderungen, wohnungslose und obdachlose Frauen sehr wichtig. „Dort gibt es noch einiges zu tun“, so Horn.

 

Armut bei Frauen

In den letzten Jahren wurde es bereits deutlich und es wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch zunehmen – die Altersarmut bei Frauen. Gerade bei alleinerziehenden Frauen sind die finanziellen Nöte extrem.

Die AWO sieht sich auch als sozialpolitische Interessenvertretung der Frauen. Der 1. Vorsitzende des AWO KV Emden e.V. führte aus, dass im Jahr 2017 19 Prozent der deutschen Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen war, was sich bis heute nicht verändert hat. Frauen betrifft dies in überdurchschnittlichem Maße, insbesondere Alleinerziehende und Ältere. Zum

8. März fühlt sich die AWO, aufgrund ihres historischen Auftrags, verpflichtet, auf diese soziale Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen. „Dabei wird die Grundrente keine gravierenden Veränderungen für  die Frauen mit sich bringen“, so Merkentrup.

Neben den dargestellten vielfältigen Formen der Gewalt an Frauen, ist die oftmals fehlende eigenständige Existenzsicherung von Frauen, ein großes Hindernis auf dem Weg zur Gleichstellung. Die Gründe dafür sind vielfältig: Schlechterbezahlung von Arbeit in den klassischen Frauenberufen, Teilzeitbeschäftigung aufgrund der Wahrnehmung von Familienarbeit – dazu gehört fehlende Betreuungsmöglichkeiten, steuerliche Schlechterstellung von Alleinerziehenden und so weiter. Dies führt nicht nur dazu, dass Frauen insbesondere Alleinerziehende mit größten finanziellen Problemen zu kämpfen haben, sondern diese sich auch im Alter fortsetzen.

Die Kernforderungen, die sich daraus ableiten lassen, sind alt, haben aber keineswegs an Aktualität eingebüßt:

· Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

· Gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf, angefangen bei der Kinderbetreuung bis hin zu den Rahmenbedingungen zur Pflege von Angehörigen

· Finanzielle Anerkennung von Familienarbeit

· Abschaffung des Ehegattensplittings

· Und natürlich der Schutz von Frauen vor Gewalt!

 

BISS Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt

Tel. 0 49 21- 58 89 77

Frauenhaus Emden

Tel. 0 49 21-4 39 00

Täterberatung – Sozialtraining

Tel. 04 91-99 90 28-26

AWO Kreisverband Emden e.V.

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