Wie sich Mikrokunststoffe ihren Weg bahnen

Die Emder Hochschule präsentierte ihre Forschung zu Meeresmüll im Niedersächsischen Umweltministerium

Bei der Präsentation in Hannover: Walter Neu und Jan Strybny mit dem niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel. Foto: Dietmar Kuhn

Hannover/Emden. Aktuelle Forschungsaktivitäten der Hochschule Emden/Leer zu Mikrokunststoffen in der Nordsee sind jetzt im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz von den Professoren Walter Neu und Jann Strybny in Hannover vorgestellt worden. Anlass war das 30-jährige Bestehen der Behörde.

Bei einem Tag der offenen Tür präsentierte das Ministerium einer breiten Öffentlichkeit aktuelle umweltpolitische Themen. Ein Schwerpunkt war die zunehmende Verschmutzung der Weltmeere mit Kunststoffmüll etwa über Mikrokunststoffe aus Körperpflegeprodukten wie Dusch-Peelings. Aber auch jede Form von Schiffs- und Hausmüll, verlorene Fischernetze oder feste Ladungsrückstände wie Paraffin gelangen in die Ozeane. Durch Seegang, Strömung, Reibung am Meeresboden sowie die Einflüsse aus Meerwasser und UV-Strahlung wird auch dieser Kunststoff zu Mikrokunststoff zerkleinert. Dieser ist zu klein für die Filtersysteme in Kläranlagen, zieht Umweltgifte an, wird von Meeresorganismen gefressen und ist nicht wieder aus der Umwelt zu entfernen. Die Folgen werden bereits seit einigen Jahren von Meeresbiologen untersucht.

Die Emder Professoren vertraten in Hannover die Ansicht, dass wirksame Gegenmaßnahmen erst dann ergriffen werden können, wenn die Transportprozesse des Mikrokunststoffs im Meer wissenschaftlich beschrieben sind. Erst dann könne verlässlich auf die Ursachen geschlossen werden. Bereits am Vortag zeigten die Wissenschaftler dazu umfangreiche experimentelle Aufbauten und stießen damit auch bei Umweltminister Stefan Wenzel und Staatssekretärin Almut Kottwitz auf großes Interesse.

Strybny untersucht in seinem Labor für Maritime Umwelttechnik die strömungsmechanischen Prozesse. Neu leitet an der Hochschule das Institut für Laser und Optik. Er führt den aus Meerwasser und Sedimenten separierten Kunststoff einer Untersuchung mit optisch-spektroskopischen Verfahren zu. Optische Eigenschaften können spezifischen chemischen Verbindungen zugeordnet werden, vergleichbar mit einem Fingerabdruck der unterschiedlichen Kunststoffe. Auf diese Weise kann auf die Zusammensetzung und damit auf Herkunft und Alter des Mülls geschlossen werden.

Die Wissenschaftler kooperieren dabei mit den Experten für Marine Sensorsysteme am Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) an der Universität Oldenburg. Am kommenden Sonnabend startet des Forschungsschiff „Heincke” im Auftrag des ICBM zu einer zehntägigen Forschungsreise in Sachen Meeresmüll. Mit an Bord wird auch das Team der Hochschule sein. Bereedert wird das Schiff von der ostfriesischen Reederei Briese in Leer.

30.09.2016, 13:57 Uhr