Rund um das Leben - seit 150 Jahren auch in Emden

1861 wurde in Emden das erste Krankenhaus Ostfrieslands eröffnet, und zwar in städtischer Trägerschaft.

Von EZ-Redakteur

MANFRED ULFERTS

Emden. In einer gut 90-minütigen Feierstunde ist gestern Vormittag im Forum des Klinikums der offizielle Jubiläumsfestakt ”150 Jahre Krankenhaus in Emden” mit gleichzeitiger Eröffnung der geschichtsträchtigen Ausstellung über das Krankenhaus und die Patientenversorgung erfolgt.

In ihren Grußworten gingen Klinikum-Geschäftsführer Ulrich Pomberg, der ärztliche Direktor Dr. Christoph Schottes und Emdens Oberbürgermeister Alwin Brinkmann vor den über einhundert geladenen Gästen aus Verwaltung, Politik, Gesundheitswesen, Wirtschaft und Kultur ebenso nachhaltig auf die Entstehung und Bedeutung des 1861 in der Emder Innenstadt eröffneten ersten Krankenhauses in Ostfriesland ein (die Emder Zeitung berichtete) wie auch auf die Entwicklung des Krankenhaus- und Ge- sundheitswesens. In eindrucks- voller Art und Weise, angereichert mit persönlichen Erinnerungen, gab der Emder Amateurhistoriker Gunther Hummerich einen eindrucksvollen Rückblick auf ”150 Jahre Krankenhaus” und zeigte die bewegte Geschichte des Krankenhauses in Emden und des heutigen Klinikums ”Hans-Susemihl-Krankenhaus” auf. ###STOP###Ein vom Medienzentrum Emden erstellter Film ”Klinikum Emden” rundete den Festakt ab.

”Die Krankenhausversorgung in Emden ist in ihrem Ursprung verbunden mit den damaligen Seuchen, denen man weitgehend hilflos gegenüberstand”, erinnerte Schöttes an die Zeit um 1850. Emden war durch den Hafen vergleichsweise besonders betroffen. Es hätten grauenhafte hygienische Bedingungen geherrscht, so dass selbst die Pest vertreten war. ”1877 war die Tuberkulose mit 15 Prozent die häufigste Todesursache, um 1900 waren mehr als zehn Prozent der Emder mit Malaria infiziert”, verdeutlichte Schottes die Dimension des Gesundheitsproblems. Laut Brinkmann hätten Epidemien dann letztlich für christliche Nächstenliebe beim Adel, um sich nicht anstecken zu lassen, und für einen Beginn der öffentlichen Gesundheitsreform gesorgt. Die ersten Bemühungen für ein Krankenhaus zur Verbesserung der elenden Lebensbedingungen für weite Teile der Bevölkerung gehen um das Jahr 1845 zurück. Verwirklicht wurde das Krankenhaus, das zunächst mehr Pflegestation war, einige Jahre spä- ter unter Bürgermeister Ernst Heinrich Hantelmann. 1861 wurde das Krankenhaus in der Innenstadt eröffnet.

In den 150 Jahren, so Brinkmann, habe sich in der Diagnostik und in den Behandlungsmethoden gewaltig viel verändert. ”Aber die Ansprüche der Patienten sind die gleichen geblieben, dass ihm nämlich geholfen werden soll”, sagte er. Das Klinikum ist gut aufgestellt und daran müsse man festhalten. Das Gesundheitswesen sei zu einem riesigen Wirtschaftszweig geworden und ist fast unbezahlbar. Der Kostendruck, so der OB, werde immer größer. ”Hier ist der Mensch, der Hilfe braucht, und da sind die Kosten.” Und Schöttes bemerkte: ”Ökonomische Vorstellungen und kranke Menschen passen nur bedingt zueinander. Krankheiten nehmen auf Kosten keine Rücksicht.” Das Emder Klinikum stehe auf solider Grundlage.

H Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Ostfriesischen Landesmuseum und dem Stadtarchiv Emden erstellt wurde und auf die bewegte Geschichte des Krankenhauses und der Patientenversorgung zurückblickt, ist noch bis zum 17. Juni im Foyer einzusehen.

H Der Festakt wurde musikalisch begleitet von Arne Bohnet (Piano) und Michael Junker (Saxophon).

15.04.2011, 22:30 Uhr