Lotsenstation auf dem Meer ist bald nur noch Geschichte

Stationsschiff

Emden. In wenigen Wochen hat das fast 50 Jahre alte Lotsenstationsschiff ”Kapitän Bleeker” ausgedient. Für Freitag, den 21. September, ist die Außerdienststellung geplant. Verbunden damit ist die Präsentation des neuen Versetzsystems.

Gefeiert werden soll der Wechsel auf dem ”Middelmantje”, also auf der Landzunge zwischen Großer Seeschleuse und Außenhafen. ”Das Ganze steht unter dem Motto ,Eine Ära endet - eine neue beginnt”, sagte Gerhard Janßen, Emder Lotsenältermann, im Gespräch mit der Emder Zeitung.

Das Versetzsystem wird im Ems-Revier grundlegend verändert. Wurden die Schiffe, die Emsaufwärts fahren, seit Jahrzehnten seegestützt, also vom Stationsschiff ”Kapitän Bleeker” auf Position Westerems bedient, soll dies fortan landgestützt erfolgen. Lotsenbrüderschaft und Lotsbetriebsverein nutzen dafür ein komplett umgebautes ehemaliges Marinegebäude im Borkumer Schutzhafen. Die neue Flotte besteht aus zwei in der Bretagne gebauten Speedbooten (jedes 30 Knoten schnell) und dem Doppelrumpf-Tender (SWATH) ”Borkum”. Deren Liegeplätze befinden sich ebenfalls im Schutzhafen. Seit einem Monat läuft bereits der Probebetrieb, der ein halbes Jahr dauern soll. Gefragt nach den ersten Erfahrungen, sagte Janßen: ”Bei gutem Wetter funktioniert alles einwandfrei.”

Die neuen Schnellboote ”Frya” und ”Fresena” können laut Janßen bei einem Seegang von zwei Meter bis 2,50 Meter arbeiten, abhängig von der Windrichtung. Entscheidend sei die Größe der mit einem Lotsen zu besetzenden Schiffe. Große Schiffe, die bei schwerer See weniger stark rollen, können auch bei höheren Wellen noch angesteuert werden. Der wesentlich langsamere Tender soll den 20 Meter langen und mit einer dreiköpfigen Besatzung bestückten Speedbooten zuarbeiten.

Die Schiffsführer der neuen Fahrzeuge wurden 14 Tage lang von einem französischen Kollegen eingewiesen. Boote wie diese werden in Frankreich auf der Loire eingesetzt. Die Lotsencrew an der Ems betrachtet den Wechsel ”mit einem lachenden und einem weinenden Auge”, sagte Janßen. Einerseits werde man das Schiff vermissen, andererseits ”entspricht es einfach nicht mehr dem heutigen Standard”. Da sei das ehemalige Marinegebäude auf Borkum ”wesentlich komfortabler”.

Die ”Kapitän Bleeker” soll verkauft werden, wie zuletzt die ausgemusterten Schwesterschiffe ”Kommodore Ruser” und ”Gotthilf Hagen”. Es gebe bereits Interessenten sagte Janßen. Das Schifffahrtsmuseum Bremerhaven soll dazu gehören, und auch der Förderkreis Bremer Denkmalschiff e.V. möchte das Schiff aus dem Bundesvermögen erwerben. Ernsthafte Bemühungen, das auf der Meyer Werft in Papenburg gebaute Schiff in Emden zu halten, gibt es bislang nicht.

23.08.2012, 17:19 Uhr