Land begleicht nun auch die Altschulden der Kunsthalle

Ministerin Wanka überbrachte die guten Nachrichten gestern persönlich.   Von EZ-Redakteurin INA WAGNER Tel. 0 49 21 / 89 00 411

Emden. Das Land Niedersachsen trägt nicht nur zur institutionellen Förderung der Emder Kunsthalle bei, sondern übernimmt auch deren Altschulden in Höhe von 300 000 Euro aus der letzten Bauphase. Das teilte gestern Kulturministerin Professor Dr. Johanna Wanka in Emden mit. ”Die Kunsthalle muss ordentlich arbeiten können”, erklärte die Ministerin.

Kunsthallengeschäftsführerin Eske Nannen zeigte sich angesichts dieser Nachrichten erleichtert und dankbar. Ihr sei ”ein Stein von der Bettdecke gefallen”, sagte sie. Zuvor habe sie nämlich Johanna Wanka von ihren sorgenvollen schlaflosen Nächten ”vorgejammert”. Der Druck habe enorm auf ihr gelastet - schließlich befinde sie sich in ihrem siebten Lebensjahrzehnt.

2011 hatte die Kunsthalle ihre prekäre finanzielle Situation mit dem Kulturministerium besprochen. Daraufhin hatte Johanna Wanka eine umfangreiche Prüfung durchführen lassen. Diese ergab, dass die Kunsthalle günstig wirtschaftet, dass aber in der Tat ein zusätzlicher Finanzbedarf von 600 000 bis 800 000 Euro pro Jahr besteht. Mit Alt-Oberbürgermeister Alwin Brinkmann, so rekapitulierte Johanna Wanka, sei dann vereinbart worden, dass sich Land und Stadt in gleichem Maße an der Förderung beteiligen. Die Stadt erfüllt seither diese Verpflichtung. Das Land aber hatte Schwierigkeiten, die Summe aufzubringen, denn der Doppelhaushalt 2012/2013 war schon verabschiedet. Daher kann das Land In diesem Jahr nur durch eine Vereinbarung mit dem Bund insgesamt 250 000 Euro einbringen, im nächsten Jahr sollen es dann 300 000 Euro sein, wobei Ministerin Wanka auch da auf eine Unterstützung durch Kulturstaatsminister Bernd Neumann hofft. Ab 2014 wird die Summe regulär in den Haushalt aufgenommen.

Die zusätzliche, einmalige Leistung zur Begleichung der Altschulden kommt nicht aus dem Ministerium, sondern wird aus dem Gesamthaushalt des Landes entnommen. Damit sei die Kunsthalle um die Zahlung von Zins und Tilgung entlastet.

CDU-Landtagsabgeordenter Reinhard Hegewald dankte Ministerin Wanka ebenfalls, plauderte dann aber aus dem Nähkästchen, wie man in den letzten Tagen die Verabredung zustande bekommen habe. Mittler sei ein anderer Ostfriese gewesen, Landtagspräsident Hermann Dinkla (CDU).

Dinkla hätte am Rande der Landtagssitzung in der letzten Woche alle Beteiligten zusammengeführt und ”mit großem Geschick” die Fäden für die Kunsthalle im Hintergrund gezogen habe. ”Ohne Dinkla wäre das nicht möglich gewesen”, dankte Hegewald dem Landtagspräsidenten. Aber auch die CDU-Landtagsfraktion habe bei der Suche nach einer Lösung mitgewirkt, erklärte Hegewald.

Ministerin Wanka sieht die Förderung der Kunsthalle vor allem vor dem Hintergrund des Tourismus. Nach Bayern stehe Niedersachsen in diesem Bereich an zweiter Stelle. Und da spiele die Küste eine große Rolle. ”Davon profitiert die Stadt, aber auch das Land.”

Johanna Wanka hatte der Kunsthallengeschäftsführerin schon während des 25-jährigen Jubiläums im letzten Jahr nahegelegt: Nicht mehr bauen! Dennoch, so verriet der Vorsitzende der Kunsthallenstiftung, habe Eske Nannen noch einen großen Wunsch: Einen Brunnen mitten auf der Hahn'schen Insel! ”An meinem 75. Geburtstag möchte ich auf den Knopf drücken”, sagte Eske Nannen.

24.07.2012, 18:40 Uhr