Japanische Trommeltänzer begeisterten die Zuschauer

800 Zuschauer erlebten in der Nordseehalle die japanische Trommelgruppe Tao.

Emden. Ein Berg aus Trommeln, Kesseln, so breit wie Treckerreifen, ein Klang aus längst vergangenen Zeiten, tief und hölzern, in chinesischen Dschungeln geboren, in Japan vor blutigen Schlachten und Festen geschlagen, anrufend die Götter und Ahnen, beschwörend, mit Ehrfurcht zum Klingen gebracht, federnd umtanzt, laut werdend, sehr laut, aber nie penetrant - Japan war zu Gast; Taiko-Trommler, ohne Mikrofone, nur mit dem Klang ihrer gewaltigen Felle.

Wer ein virtuoses Feuerwerk der Schlagfiguren und wirbelnden Sticks erwartet hatte, ein asiatisches Drumbattle im westlichen Stil, der wurde auf ganz angenehme Weise enttäuscht. Nein, kein Ethno-Zirkus der wahnwitzigen Breaks und Fills, auch keine wirklich komplizierten Rhythmen, keine schon tausendfach gesehenen Konzertposen oder billige Animationen.

Stattdessen ein heiterer Ernst, ein mitreißendes Ballett der Trommler, wohlgeordnet von Choreografien, die an asiatische Kampfsportarten erinnerten, der Tradition verpflichtet, aber durchaus garniert mit neuen, modernen Elementen.

Die elfköpfige Tao-Gruppe ist Teil eines modernen japanischen Entertainment-Betriebes. Die Musiker sind weltoffen und alles andere als sture Traditionalisten. Sie wollen die alte Tradition des Taiko-Trommelns erhalten, in dem sie sie weiter entwickeln und ihre Wirkung bei Konzerten auf der ganzen Welt testen. Auch die durchaus poppig klingenden Bambusflöten-Melodien gehören dazu, dürften nur die absoluten Puristen gestört haben; es entstand hier eine Art Weltmusik.

Die Grundsubstanz dieser Show ist das höchst attraktive, artistisch-musikalische Gesamtkonzept. Die Musiker tanzen an ihren Instrumenten, dabei kunstvoll in ihren Einsätzen und Bewegungen aufeinander abgestimmt, uralten Mustern folgend, von vielen spitzen Schreien und Rufen gesteuert und angetrieben.

Die einzelnen Stücke wurden zwar immer hochkonzentriert und präzise, aber nie zu feierlich vorgetragen. Bei allem Kult war immer auch ausgelassene Spielfreude zu spüren. Der Fehler, sich dabei unglaubwürdig zu machen, wurde nicht gemacht. Ein wunderschönes Koto-Solo und drei bezaubernde junge Frauen ergänzten optimal das durchaus kriegerisch wirkende, enorm kraftvolle Schlagwerk der Männer. Musikalisch und visuell erlebten die Zuschauer Eindrücke, die sicherlich zu den ungewöhnlichsten ihres Lebens gehören dürften. Ein großes Lob an den Veranstalter. Hier wurde etwas ganz Ungewöhnliches geboten.

08.04.2008, 15:41 Uhr