Erste Gespräche über eine Emder Moschee geführt

Bisher liegt kein Bauantrag vor. Der türkisch-islamische Kulturverein will jedoch ein eigenes Gebetshaus am Hauptbahnhof einrichten.

Von EZ-Redakteurin

UTE LIPPERHEIDE

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Emden. Ein Gebetshaus für in Emden lebende Muslime, aber auch eine Begegnungsstätte aller Emder will der türkisch-islamische Kulturverein in Emden aufbauen. „Wir haben Gespräche mit der Bauverwaltung geführt”, sagte der Vorsitzende des Vereins, Senol Sahinler.

Es handelte sich nach Auskunft der Stadt zunächst um ein Informationsgespräch. Ein Bauantrag liege noch nicht vor. „Sobald das alles konkreter wird, werden wir den Rat der Stadt Emden informieren”, sagte Eduard Dinkela, Pressesprecher der Stadt Emden. Im nichtöffentlichen Verwaltungsausschuss gab es in dieser Woche bereits eine kleine Mitteilung an die Fraktionen.

Standort für ein Gebetshaus oder auch eine Moschee ist die ehemalige Gaststätte „Emma”, später „Iss Was!?” am Bahnhof. Das Gebäude hat der Verein aus einer Zwangsversteigerung erworben. Es soll zu einem islamischen Zentrum ausgebaut werden. Vorgesehen ist, den Flachbau noch um ein Stockwerk zu erhöhen. Ein Minarett, von dem aus zum Gebet gerufen wird, sei nicht geplant. Rund 200 Menschen sollen in dieser Einrichtung Platz finden.

Es sei vorgesehen, das Haus für alle Muslime zu öffnen. Im Islam gibt es zahlreiche unterschiedliche Richtungen, wie man es auch aus den christlichen Kirchen kennt. Welcher Richtung ein Moslem angehört, hängt häufig davon ab, aus welcher Gegend er kommt und welcher Richtung sich seine Eltern angeschlossen haben.

Die Pläne des türkisch-islamischen Kulturvereins wurden unter anderem vom Vorsitzenden des evangelisch-reformierten Kirchenrates in Emden, Pastor Martin Hinrichs, begrüßt. Er gehört zu denen, die sich seit Jahren für einen Austausch zwischen den Religionen einsetzen. Für ihn ist es „wichtig, dass die vielen Muslime in der Stadt einen eigenen Ort haben, an dem sie ihre Religion ausüben können und dafür nicht bis Papenburg oder Oldenburg fahren müssen”. Hinrichs wünscht sich ein offenes Haus, in dem ein „Dialog zwischen den Religionen und Kulturen” stattfindet.

Auch der Emder Superintendent der evanglisch-lutherischen Kirche, Dr. Friedhelm Voges, „freut sich, wenn die hier ansässigen Muslime endlich ihre Religion hier ausüben können”. Mehr voneinander zu wissen, helfe auch, Vorurteile abzubauen. Voges: „Wir haben Religionsfreiheit. Das ist ein Menschenrecht. Wenn es Kritiker gibt, die darauf hinweisen, dass nicht in allen muslimischen Ländern Christen Kirchen haben dürfen, dann muss man ihnen antworten, dass die hier lebenden Moslems nicht dafür verantwortlich gemacht werden können, was woanders geschieht.” Er verwies auf die jahrelangen Pläne, ein solches Gebetshaus einzurichten. Unter anderem war dafür das „Hotel Airport” in der Gorch-Fock-Straße vorgesehen (die Emder Zeitung berichtete). Seit einigen Jahren wird jeden Freitag im Barenburger Kulturbunker den Muslimen die Möglichkeit für ein gemeinsames Freitagsgebet gegeben.

„Wenn jetzt eine Moschee unter dem Dach der Türkisch-Islamischen Union eingerichtet wird, ist das sehr sinnvoll”, sagte Edvija Imamovic. Die aus Bosnien stammende Emderin gehört zu denen, die den interreligiösen Gesprächskreis mit ins Leben gerufen haben. Sie ist davon überzeugt, dass Muslime verschiedener Richtungen in der Moschee Platz finden. „Ich glaube, dass es, wenn es ein offenes Haus ist, zu einer besseren Integration beitragen kann”, sagte Imamovic.

Seit geraumer Zeit sind in Emden Bestattungen nach muslimischem Ritus möglich. Auf dem Friedhof Tholenswehr ist ein eigenes Gräberfeld eingerichtet worden. Widerstände dagegen gab es nicht, auch nicht von der Seite des Rates. „Wir haben Religionsfreiheit, und gerade Emden war schon vor Jahrhunderten für seine Toleranz beim Thema Reglion bekannt”, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Dieter Haase. Er kann sich nicht vorstellen, dass es zu Bedenken innerhalb des Rates komme, wenn ein Bauantrag gestellt wird.

Sahinler will die Pläne seines Vereins im kommenden Jahr verwirklichen. Bis jedoch begonnen werden kann, muss zunächst ein offizieller Bauantrag gestellt werden, den die Stadt zu prüfen hat. Dinkela: „Das ist das übliche Geschäft der Verwaltung, egal, was gebaut wird.”


 

02.09.2008, 19:01 Uhr