Erschütterndes Bild der heutigen Seefahrt

"Das letzte Kleinod" gastierte dieses Mal beim Seemannsheim.

Intensives Spiel vor der Kulisse des Emder Hafens: das Ensemble "Das letzte Kleinod" spielte von Erlebnissen und Empfindungen an Bord. Im Bild sind zu sehen die Schauspieler Barry Emond, Christos Anastasopoulos und Dan Thy Nguyen. Foto: Wilken

Emden. Vier Spieler, ein Statist, eine lange Trosse als wesentliches Requisit - schon konnte es vor der Kulisse des Emder Hafens losgehen. "Das letzte Kleinod" gastierte mit einem dokumentarischen Stück über die Seefahrt heute. Und es war ein erschütterndes Bild von Trostlosigkeit, Einsamkeit, negativen Emotionen, das sich in "Um uns herum nur nichts" abzeichnete. Der Kapitän (Andreas Heinrich Krebs) - ein Verlorener. Der 1. Offizier (Christos Anastasopoulos) - ein Verzweifelter. Der Vollmatrose (Barry Emond) - ein Resignierter. Der Koch (Dan Thy Nguyen) - ein Hoffender. Als Bindeglied zwischen den unterschiedlichen Temperamenten, die teilweise über Monate auf dem Schiff kaserniert sind, fungiert allein die Arbeit, die unter allen Umständen befehlsgemäß erledigt werden muss. Das Schiff spielte in der Darstellung keine wesentliche Rolle. Von Romantik keine Spur.

Auf der Basis eigener Erfahrungen und Recherchen an Bord von Arbeitsschiffen hatte Regisseur Jens-Erwin Siemssen dieses Stück geschrieben, das das Publikum nach einer Stunde Spielzeit zu anhaltendem Applaus veranlasste.

Und die Leistung der Schauspieler war enorm, denn sie hatten nicht nur eine Menge Text zu sprechen, sondern mussten nahezu ununterbrochen die mächtige Trosse bewegen und zu ganz bestimmten Requisiten formen. Allein diese reale Arbeit zu beobachten, war faszinierend, denn die Trosse fungierte wechselweise als Feuerwehrschlauch, als pneumatischer Meißel, als Ladeluke, als Rettungsweste, als Esstisch und Teller, als Rettungsboot, als Zimmer, als begehbarer Kühlraum, als Geschlechtsorgan, als Koffer. Ständig wurde das schwere Ding gezogen, gelegt, gerollt, geknotet, gewuchtet, gedreht, getragen. Eindrucksvoll!

Inhaltlich ging es um Unfälle, Manöver, Alltag, um Gemecker übers Essen, um das Reinigen der Laderäume, um ewiges Rostklopfen und Streichen, um die menschlichen Probleme der Entfremdung von Ehefrau und Kindern, um Jetlag, der bei dem Durchfahren unterschiedlicher Zeitzonen innerhalb kürzester Zeit entsteht, um Diskriminierungen, unterschiedliche Gehälter, um die Wirkung eines Sturms auf die Mannschaft, die Gefahren auf See, um die Schwierigkeiten, in arabischen Ländern Ladung zu löschen, um den dort herrschenden Fanatismus, der es zu einem lebensgefährlichen Unternehmen macht, auch nur einen Autokatalog mit freizügig bekleideten Mädchen herumliegen zu lassen. Es ging um Feuerschutzübungen, um das Verlassen des Schiffes im Notfall, um gefährliche Sogwirkungen des Wassers, wenn ein Schiff untergeht, und um die Perspektive, bald nach Hause zu kommen, weil der Vertrag erfüllt ist.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Emder Zeitung vom 19. Juli 2014.

20.07.2014, 05:57 Uhr