Erneut Zuliefer-Probleme: Emder VW-Werk steht still!

Die Fertigung von rund 1000 Passat muss jetzt im Dezember nachgeholt werden. Von EZ-Redakteur JENS VOITEL Tel. 0 49 21 / 89 00 412

Emden. Erneut haben Probleme bei einem Zulieferer direkte Auswirkungen auf das Emder Volkswagen-Werk: Die gesamte Produktion in der Passat-Fabrik muss am heutigen Freitag ausgesetzt werden, weil ein Lieferant mit der Fertigung von Bauteilen für die Passat-Familie nicht nachkommt. Betroffen sind damit sowohl der Passat Variant als auch die Limousine und das Coupé. Entsprechende Informationen der Emder Zeitung bestätigte gestern der Emder VW-Betriebsratsvorsitzende Peter Jacobs auf Anfrage.

Bereits im August mussten die Bänder bei VW in Emden für einen Tag gestoppt werden, weil das Hochwasser in Tschechien die Produktionsstätten eines Fahrzeugteile-Lieferanten überflutet hatte (wir berichteten). Diesmal sollen dagegen interne Schwierigkeiten bei einem Zulieferer in Süddeutschland für den Engpass bei mehreren Cockpit-Teilen für den Passat verantwortlich sein.###STOP###

"Das ist wirklich nicht schön", sagte ein hörbar verärgerter Peter Jacobs gestern auf dem Weg nach Wolfsburg gegenüber der EZ. Die heute ausgefallenen Früh- und Spätschichten müssen nun im Dezember nachgeholt werden. Die Belegschaft sei darüber am Mittwoch über die Vertrauensleute informiert worden. Der Stillstand im Emder Werk wird dazu führen, dass an diesem Freitag rund 1000 Fahrzeuge nicht gebaut werden können - und das ausgerechnet in der Anlaufphase des neuen Passat-Modells B 7.

"Gegen Hochwasser kann man vielleicht nichts machen, aber diesmal scheint der Fall anders zu liegen", sagte der Betriebsratschef, ohne allerdings Details zu nennen. Es sei zumindest wenig professionell, wenn durch eigene Fehler die Lieferkette unterbrochen wird. Der Fehler liege jedenfalls nicht bei Volkswagen. Jacobs zeigte Verständnis für die Kollegen, die sich jetzt womöglich über einen weiteren Arbeitstag in der Adventszeit ärgern.

Nach Informationen der Emder Zeitung handelt sich bei dem fraglichen Zulieferer aus Süddeutschland um die Angell-Demmel Europe GmbH. Nach Medienmeldungen produziert sie mit rund 700 Mitarbeitern in Lindau und im österreichischen Kennelbach Aluminiumzierteile für die Automobilindustrie. Das Unternehmen gelte als Marktführer für Echtmetall-Applikationen im Automobilbereich, heißt es. Seit 2009 gehöre das Unternehmen zu 60 Prozent zur Sellner Holding GmbH.

Insolvenzverfahren

Die Schwäbische Zeitung in Leuthkirch berichtete vor wenigen Wochen, dass das Unternehmen beim Amtsgericht Kempten Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt habe. Grund sei die Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft durch "anhaltende operative Verluste". Die anziehende Konjunktur in der Automobilbranche, so die Zeitung weiter, habe zu einer stark steigenden Kundennachfrage bei der Angell-Demmel Europe GmbH geführt.

Die notwendigen Kapazitätssteigerungen hätten aber nur durch die kurzfristige Akquisition von Zeitarbeitern kompensiert werden. "Aufgrund der komplexen Kundenanforderungen konnte dabei das bisherige hohe Qualitätsniveau nicht beibehalten werden." Erhebliche Ausschussquoten in der Produktion seien die Folge gewesen.

Dies deckt sich zum Teil mit den Aussagen des Emder VW-Betriebsrates. Offensichtlich habe der Zulieferer nicht entsprechend der Aufträge investiert, sagte Jacobs. Er geht aber davon aus, dass die Emder Fabrik am Montag wieder arbeiten kann.

Laut Schwäbischer Zeitung sieht die Geschäftsführung der Angell-Demmel Europe GmbH gute Chancen, das Unternehmen zu erhalten. "Wir haben mit 70 Prozent Marktanteil bei unseren Kunden in Deutschland eine besondere Schlüsselposition. Die Nachfrage ist hervorragend. Es muss uns aber im Rahmen einer Sanierung gelingen, die Prozesse effizienter zu gestalten und unser Personal stärker zu qualifizieren", wird Geschäftsführer Franz-Holger Woitowitz zitiert.

18.11.2010, 16:44 Uhr