Die geistige Arbeit im angestrengten Blick

Emden. Ein bedeutendes Selbstporträt des Ehrenostfriesen Julian Klein von Diepold (1868 bis 1947) ist in die Sammlung des Ostfriesischen Landesmuseums gekommen. Gekauft wurde es von der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer für einen nicht benannten Preis direkt von der Schwiegertochter des Malers, Brigitte von Diepold.

Der Ankauf, so erklärte gestern ”Kunst”-Vorsitzender Dr. Reinhold Kolck, stehe unter dem großen Ziel der Bestandsergänzung und Sammlungsverdichtung im Ostfriesischen Landesmuseum. Man habe den Ankauf mit Brigitte von Diepold, einer gebürtigen Französin, und deren Sohn auch in diesem Sinne besprochen. Ihr sei es vor allem wichtig gewesen, das Bild in einem musealen Umfeld untergebracht zu sehen. Nun hat die Kuratorin für die Gemäldesammlung des Landesmuseums, Dr. Annette Kanzenbach, dem Gemälde einen Platz gegeben, der sowohl die Fern- wie auch die Nahsicht gewährleistet und die Vielschichtigkeit der Bildaussage ins rechte Licht rückt. ###STOP###

Geistige Arbeit

Sie selber ist bezaubert von der künstlerischen Intention, die sich in dem Gemälde ausdrückt. ”Klein von Diepold verliert sich nicht unbedingt in malerischen Details. Nur der Kopf ist fein ausgemalt und der angestrengte Blick im Gesichtsausdruck betont.” Der Malerkittel - in pastosem Auftrag flott auf die Leinwand gesetzt, die Hände - nur ausführende Organe des planenden Hirns und deshalb nicht exakt ausgeführt. Der Kopf - das Zentrum der geistigen Arbeit und daher über dem weiß leuchtenden Kragen des formvollendeten Anzugs auffällig ins Bild gesetzt.

Julian Klein von Diepold stellte sich in seinem Selbstbildnis in souveräner Haltung dar, interpretiert Annette Kanzenbach. ”Viele Maler legten damals großen Wert darauf, das hohe Ansehen ihrer Kunst durch eine gepflegte bürgerliche Kleidung zu betonen, - auch um damit jede Verwechslungsmöglichkeit mit einem einfachen Handwerker auszuschließen.”

Die ”Kunst” wurde durch ein Mitglied, den Sammler Dr. Gerold Eilers, auf die Spur gesetzt. Eilers hätte erfahren, dass Brigitte von Diepold plane, ihren Wohnsitz von Berlin nach London zu verlegen. Nicht alle Gemälde in Familienbesitz sollten dabei die Reise mitmachen. Annette Kanzenbach machte einen Termin, reiste nach Berlin und stand bald in der ausgeräumten Wohnung der Schwiegertochter des Malers. Das Interesse aus Emden bewog die Familie, einen Verkauf des Bildnisses ins Auge zu fassen. Quasi in letzter Minute kam der Handel zustande. ”Wir konnten das Bild dann zu günstigen Konditionen übernehmen”, sagte Reinhold Kolck gestern. Und damit sei dann fast ein Unikat nach Emden gekommen. Denn von Julian Klein von Diepold seien nur zwei Selbstbildnisse überliefert. Neben dem jetzt im Landesmuseum zu sehenden entstand etwa 15 Jahre später ein zweites, ein Brustbild.

Auf dem Emder Porträt zeige sich der Künstler auf dem Höhepunkt seiner Kunst. Zwei Jahre später kam er das erste Mal nach Ostfriesland, wo er ausschließlich Landschaften malte. Für Annette Kanzenbach ist das auch ein Zeichen dafür, dass sich Klein von Diepold nicht gerne an Auftraggeber binden wollte - Porträts male man gemeinhin für Auftraggeber, die dann auch ein Mitbestimmungsrecht hätten, wie sie dargestellt werden wollten.

”Ehrenostfriese”

1936 erhält Klein von Diepold, der immer wieder zum Malen nach Ostfriesland kam, schließlich eine Ostfriesin heiratete und auf Norderney heimisch wurde, das Indigenat und wurde ”Ehrenostfriese”.

Die Tatsache, dass das Bild allem Anschein nach bisher noch nie öffentlich gezeigt worden sei, mache es für die ”Kunst” zu einem Schatz, sagte Kolck. Und für Museumsdirektor Dr. Carsten Jöhnk ist die Tatsache, dass das Gemälde direkt aus Familienbesitz kommt, eine Beruhigung. Somit sei die Provenienz gesichert und man müsse nicht befürchten, dass man womöglich an ”Raubkunst” geraten sei.

H Das Selbstbildnis des Julian Klein von Diepold ist in der Ostfriesland-Gemäldesammlung im dritten Stock des Landesmuseums zu sehen.

21.06.2011, 17:58 Uhr