„Die Emder Ratsleute brechen Recht”

Der Chef der deutschen Zirkus-Unternehmen, Dieter Seeger, übt wegen des Wildtierverbotes scharfe Kritik.

Elefant in der Manege: Eine Mehrheit des Rates will keine Zirkusse mit Wildtieren mehr in Emden. Einen ähnlichen Beschluss der Stadt Hameln hat just das Oberverwaltungsgericht gekippt.

Emder Zeitung: Herr Seeger, immer mehr Städte möchten, dass Zirkusse mit Wildtieren künftig einen großen Bogen um ihre Kommune machen. Auch Emden. Wird die Luft für Sie langsam dünn?

Dieter Seeger: Ach, wissen Sie, alles in allem sind es 90 von 11 000 deutschen Kommunen, die solche Beschlüsse fassen. Also gar nicht so viele, wie man denkt. Allerdings sind auch mehrere Großstädte wie Stuttgart und Bielefeld darunter. Das ist schade für alle Zirkusse und schmerzt uns schon. In Emden enttäuscht mich, dass niemand vorher mit uns gesprochen hat, geschweige denn sich mal in unserem Zirkus umgeschaut hat. Wir haben nichts zu verbergen. Jeder darf sich ansehen, wie gut wir mit Tieren umgehen und mit ihnen arbeiten.

EZ: Aber ist die Kritik tatsächlich unbegründet? Gehören Elefanten, Raubkatzen und Nashörner nicht in die freie Wildbahn? Wie sieht es mit der artgerechten Haltung aus?

DS: Ich störe mich an dem Begriff „artgerecht”. Lassen Sie uns lieber von „tiergerecht” sprechen. Und das ist der Fall, wenn Tiere sich wohlfühlen. Und eine tiergerechte Haltung kann jeder Zirkus bieten. Aktivisten halten uns aber vor, dass den Elefanten das kilometerweite Ziehen durch die Savanne fehlt...

EZ: Ja, aber das können Sie doch tatsächlich nicht bieten...

DS: Das ist richtig. Aber fragen Sie sich doch mal, warum ein Elefant in freier Wildbahn weite Strecken zurücklegt. Doch nur, weil er auf Nahrungssuche ist. Das Tier wandert, weil seine Bedürfnisse es dazu zwingen. Wir schaffen Ausgleich, das heißt, sorgen für ausreichende Bewegung. Ich garantiere Ihnen, wenn ich in der Savanne ein großes Wasserloch zum Trinken grabe und für ausreichend Nahrung sorge, würden sich die Elefanten dort nicht mehr wegbewegen. Denn das kostet Energie und die wollen auch Tiere einsparen.

EZ: Aber dann würde ein Elefant, um bei dem Beispiel zu bleiben, doch nie freiwillig Kunststücke in der Manege vorführen?

DS: Doch, wir rufen nur normale Bewegungsabläufe ab. Elefanten stellen sich in freier Wildbahn öfter auf die Hinterbeine, um beispielsweise an Früchte heranzukommen. Tiger richten sich aus Imponiergehabe auf. Und ja, ein Wildtier langweilt sich auch mal im Zirkus oder ist vor einem Auftritt aufgeregt. Das ist aber normal. Das Halten von Tieren ist völlig normal.

EZ: Und was sagen die Tierschützer dazu?

DS: Die Leute, die sich mit Plakaten vor das Festzelt stellen und demonstrieren, das sind doch keine Tierschützer. Ich bezeichne sie gerne als Tierabschaffer. Ihr Protest fußt auf reiner Ideologie, das ist ja schon fast religiös.

11.03.2017, 00:05 Uhr
Über den Autor
Marten Klose Redakteur Lokales bei der EZ seit: 2010
Telefon: 04921-8900431