Das sind Emdens Oberbürgermeister von 1900 bis heute

Wer waren die zwölf Oberbürgermeister, die von 1900 bis heute in der Stadt Emden das Sagen hatten? Welche Meilensteine fallen in ihre Amtszeiten? Wofür setzten sie sich ein? Wofür standen sie? Eine Übersicht.

  • Leo Fürbringer (1877-1913), Nationalliberale Partei (NLP) (1/12)
  • Wilhelm Mützelburg (1913-1933), Deutsche Demokratische Partei (DDP)/ Deutsche Volkspartei (DVP) (2/12)
  • Hermann Maas (1934-1937), NSDAP (3/12)
  • Carl Renken (1937-1945), NSDAP (4/12)
  • Georg Frickenstein (1945-1946), DDP/Staatspartei (5/12)
  • Hans Susemihl (1946-1952, 1956-1964), SPD (6/12)
  • Egon Rosenberg (1952-1956), FDP (7/12)
  • Hermann Schierig (1964-1973), SPD (8/12)
  • Jan Klinkenborg (1974-1981), SPD (9/12)
  • Herbert Alberts (1981-1986), SPD (10/12)
  • Alwin Brinkmann (1986-2011), SPD (11/12)
  • Bernd Bornemann (seit 2011), SPD (12/12)

Emden. Der Oberbürgermeister lenkt die Geschicke einer Stadt, er vertritt sie und seine Bürger nach außen und er ist Motor für die Weiterentwicklung. In Emden haben in der jüngeren Vergangenheit eine Vielzahl von unterschiedlichen Persönlichkeiten dieses Amt bekleidet.

Aber wer waren die zwölf Männer, die seit 1900 bis heute in der Stadt Emden das Sagen hatten? Welche Meilensteine fallen in ihre Amtszeiten? Wofür setzten sie sich ein? Wofür standen sie? Eine Übersicht:

Leo Fürbringer (1877-1913), Nationalliberale Partei (NLP)

Leo Fürbringer ist eine der prägendsten Persönlichkeiten der Emder Stadtgeschichte. Fürbringer war Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses. Nur aufgrund seiner guten Kontakte und politischen Beziehungen war die Industrialisierung in Emden durchzuführen. Für die Anhebung der Wirtschaftskraft war der Bau des Dortmund-Ems-Kanals von entscheidender Wirkung. Erst dadurch wurde der Hafenausbau samt Seeschleuse möglich. Der Hafen wiederum verdankt seine Existenz dem Zusammenspiel von Fürbringer und Schweckendieck. Die Zahl der Betriebe verdoppelte, die Zahl der Beschäftigten vervierfachte sich in der Ära Fürbringer sogar. Die Nordseewerke arbeiteten wieder. Emden bekam Kanalisation, Wasserversorgung, Elektrizitätswerk und Krankenhaus. Die Einwohnerzahl Emdens stieg unter Fürbringer von knapp 13 000 auf mehr als 24 000.

Wilhelm Mützelburg (1913-1933), Deutsche Demokratische Partei (DDP)/ Deutsche Volkspartei (DVP)

Mützelburg setzte sich für einen Interessenausgleich zwischen dem Arbeitermilieu und dem Bürgertum ein. Seine Amtszeit wurde 1914 durch den 1. Weltkrieg für zwei Jahre unterbrochen, weil er Kriegsdienst leistete. Während dieser Zeit übernahm sein Vorgänger noch einmal kommissarisch das Amt. Historisch in Erinnerung bleibt seine unwürdige Entfernung aus dem Amt, weil er als Beamter seine Polizeibefugnis auch gegenüber der NSDAP ausgeübt hatte. Nach ihm ist übrigens der Chinesentempel benannt, der im Volksmund „Mützelburg“ hieß.

Hermann Maas (1934-1937), NSDAP

Mit der Ernennung des 35-jährigen Maas wurde Emden von jungen Männern regiert. Er herrschte als Oberbürgermeister zusammen mit dem noch jüngeren Kreisleiter Johann Menso Folkerts nach dem Führerprinzip über die Gemeinde. Maas und Folkerts hatten jedoch Differenzen. Auch deswegen wurde Maas 1937 in seinem Amt abgelöst. Bis dahin verlief die Gleichschaltung unter Maas zwar auch in Emden zügig. Im Vergleich zu anderen ostfriesischen Gemeinden traf die NSDAP hier jedoch auf einen starken kommunistischen Widerstand sowie in geringerem Umfang auch auf eine sozialdemokratische und kirchliche Opposition.

Carl Renken (1937-1945), NSDAP

Carl Renken verwaltete das Amt des Oberbürgermeisters als Nationalsozialist. Als fanatischer Antisemit war es sein Ziel, alle Juden aus der Stadt auszuweisen. So versuchte er zum Beispiel, durch rigorose Eintreibung von Kanalgebühren jüdische Grundbesitzer zu vertreiben. Weil Emden nach Kriegsausbruch aufgrund seiner geografischen Lage zur Frontstadt wurde, gab das Renken die „Legitimation“, alle in Emden lebenden Juden auszuweisen.

Georg Frickenstein (1945-1946), DDP/Staatspartei

Nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reichs“ wurde Georg Frickenstein von der kanadischen Militärregierung mit der schweren Aufgabe betraut, als Oberbürgermeister die Kommunalverwaltung wiederherzustellen und die Stadt aus dem Nachkriegschaos herauszuführen. Auch wegen der Auswirkungen dieser schweren Last auf seine Gesundheit starb Frickenstein während seiner Amtszeit.

Hans Susemihl (1946-1952, 1956-1964), SPD

In die Amtszeiten von Hans Susemihl fielen ein Großteil des Wiederaufbaus der im Krieg stark zerstörten Stadt und der erste wirtschaftliche Aufschwung in der Zeit des Wirtschaftswunders. Susemihl steht zudem für die Neugestaltung des Stadtzentrums und die Wiederherstellung der schulischen und sozialen Leistungsfähigkeit Emdens. Er setzte auch gegen massive Widerstände den Bau des Emder Krankenhauses durch, das heute seinen Namen trägt. Auch für die Ansiedlung des VW-Werks machte er sich stark.

Egon Rosenberg (1952-1956), FDP

In der kurzen Amtszeit von Egon Rosenberg begann der industrielle Ausbau Emdens mit der Ansiedlung des Kraftwerks. Außerdem wurde der Wiederaufbau des Rathauses in Angriff genommen.

Hermann Schierig (1964-1973), SPD

In die Ära von Hermann Schierig fielen die „goldenen Jahre” der Stadt: Volkswagen siedelte sich mit einem Werk in der Seehafenstadt an. Das ließ die Wirtschaft in Emden florieren und ermöglichte der Stadt große Investitionen. Schierig sorgte aber auch dafür, dass Susemihl als 70-Jähriger nicht nochmals für das Amt des Oberbürgermeisters antreten durfte. Seine persönliche Geschichte endete damit, dass seine eigene Partei ihn zum Rücktritt nötigte. Es war der Skandal um das „House of Lords“, in dem ein erfolgreicher Wirtschaftsabschluss begossen und aus dem Stadtsäckel bezahlt worden war. Dabei hatten eine Handvoll Manager, Schierig und Verwaltungschef Lenwerder 4500 Mark für die Zecherei auf den Kopf gehauen.

Jan Klinkenborg (1974-1981), SPD

In die Amtszeit von Jan Klinkenborg fiel die wirtschaftliche Rezession. Deswegen hatte für den Oberbürgermeister die Verbesserung der wirtschaftlichen Strukturen oberste Priorität. Er forcierte in diesem Zuge das Projekt „Dollarthafen” nach dem Grundsatz, dass es ohne vernünftige Hafenpolitik auch keine vernünftige wirtschaftliche Entwicklung gebe. Darüber hinaus bemühte er sich um die Ansiedlung neuer Industriebetriebe und um den Erhalt von Arbeitsplätzen in bereits bestehenden Betrieben in Emden.

Herbert Alberts (1981-1986), SPD

Unter Herbert Alberts wurde die Große Straße vom Autoverkehr befreit und in eine Fußgängerzone umgewandelt. In seiner Amtszeit bekam außerdem das Feuerschiff als Museumsschiff einen festen Platz im Emder Ratsdelft und der Bau der Kunsthalle begann. Ansonsten war seine Amtszeit von Stillstand geprägt. Er trat im August 1986 ohne Begründung zurück. In Emden war allerdings bekannt, dass ihm sein Privatleben entglitten war und die handfesten Streitigkeiten mit seiner Ehefrau zunehmend die politische Arbeit in den Hintergrund rückte.

Alwin Brinkmann (1986-2011), SPD

In dem Vierteljahrhundert unter Brinkmanns Regie veränderte sich die Stadt Emden: Die Aufwertung der Innenstadt durch die Neugestaltung des Alten Binnenhafens ist ein Projekt, das Brinkmann maßgeblich betrieb und für das er Überzeugungsarbeit leistete. Mut bewies Brinkmann unter anderem auch bei der Ausweisung des Industrieparks Frisia, für den die Stadt mit Haut und Haaren bürgte. Dieses Projekt war besonders wichtig, um VW, den größten Arbeitgeber, weiter an Emden zu binden.

Bernd Bornemann (seit 2011), SPD

Bernd Bornemann ist seit vier Jahren Oberbürgermeister von Emden. In seine bislang kurze Amtszeit fallen unter anderem die Umsetzung der jahrelangen Pläne eines Hotelbaus am Alten Binnenhafen sowie die Reform der Emder Schulstruktur.

22.09.2015, 11:55 Uhr