Wirtschaft
Energiewende

Windenergie-Ausbeute aus der Nordsee steigt um 16 Prozent

Die Windenergie auf See leistet einen zuverlässigen Beitrag zur Energiewende. Doch der wird nicht ausreichen, um die Klimaziele der Bundesregierung und des Pariser Klimaabkommens zu erfüllen.

Windenergie aus der Nordsee

Bayreuth/Hamburg (dpa) - Die Windkraftwerke auf der deutschen Nordsee haben in den ersten sechs Monaten des Jahres 9,51 Terawattstunden Strom in das Netz eingespeist.

Der Netzbetreiber Tennet aus Bayreuth teilte mit, dass das gut 16 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres sind. Tennet ist zuständig für die Übertragung des Nordsee-Stroms ans Festland und die Weiterleitung durch das deutsche Stromnetz.

Die Windanlagen auf der Ostsee, die nicht zum Netzgebiet von Tennet gehören, haben weitere 2,13 Terawattstunden (TWh) Strom eingespeist und damit mehr als doppelt so viel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Insgesamt kommt der Windstrom aus Nord- und Ostsee damit auf 11,64 TWh, gegenüber gut 9 TWh im ersten Halbjahr 2018.

Die Windernte auf See macht damit stabil rund 15 Prozent des gesamten Windstroms in Deutschland aus und rund 4 Prozent an der gesamten Stromerzeugung. Das ist etwa ein Prozentpunkt mehr als vor einem Jahr. Der höhere Beitrag der Offshore-Windenergie ergibt sich einerseits aus leicht höheren Erzeugungskapazitäten, weil in den vergangenen zwölf Monaten neue Windparks ans Netz gegangen sind. Die rund 1100 Windkraftwerke in der Nordsee könnten rechnerisch 5,6 Gigawatt Strom erzeugen, wenn sie alle gleichzeitig mit voller Kraft laufen würden. Die Übertragungskapazität reicht dafür aus; sie liegt laut Tennet bei 6,2 Gigawatt.

In der Realität wird das nicht erreicht; der bisherige Rekord liegt bei knapp 5 Gigawatt am 24. März. Im Durchschnitt eines Monats liefern die Nordsee-Windräder etwa 2,2 Gigawatt Strom, das entspricht zwei bis drei Kernkraftwerken und etwa 40 Prozent ihrer maximalen Kapazität. Im ersten Halbjahr waren die Windkraftwerke durch die Witterung begünstigt; speziell der März war ein sehr windreicher Monat. Auch deshalb konnten die erneuerbaren Energien im ersten Halbjahr ihren Anteil an der öffentlichen Stromversorgung auf den neuen Rekordwert von 47,4 Prozent steigern. Davon entfällt mehr als die Hälfte auf Windstrom an Land und auf See.

Die Bundesregierung will einen Anteil von 65 Prozent erneuerbarer Energien an der Stromversorgung erreichen, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens einzuhalten. Dazu reicht das gegenwärtige Tempo des Offshore-Ausbaus in Deutschland und auch in Europa nicht aus, erklärte Tennet-Geschäftsführer Tim Meyerjürgens. «Ein beschleunigter und großangelegter Ausbau ist notwendig», sagte er. Mit einem international koordinierten Ansatz könnten erhebliche Kosten eingespart werden gegenüber einer fortgesetzt nationalen Planung. Die Nordsee berge ein großes Potenzial für Offshore-Windenergie und könne bis 2045 eine Kapazität von 180 Gigawatt erreichen.

In Deutschland setzen sich die Windenergie-Verbände und die norddeutsche Politik bereits seit Jahren dafür ein, den bestehenden Ausbaudeckel für Offshore-Windenergie bis 2030 von 15 auf 20 Gigawatt anzuheben. Bislang ist die Regierung dem nicht gefolgt, doch gab es vor kurzem erste Signale des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Bareiß (CDU), dass Bewegung in die Sache kommen könnte. Dazu hält die Branche in den nächsten Jahren einen Extra-Beitrag von zwei Gigawatt für machbar. Ein solcher Extra-Beitrag ist ohne Größenordnung im Koalitionsvertrag der Großen Koalition vereinbart, ohne dass er bislang umgesetzt wurde.

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