Sport

«Noch nicht fertig»: DHB-Team will ins WM-Finale

Hamburg (dpa) – Bundestrainer Christian Prokop bastelte auf dem Weg von Köln nach Hamburg am Matchplan für das WM-Halbfinale gegen Norwegen, seine Schützlinge träumten schon vom ersten Medaillencoup seit zwölf Jahren.

«Wir haben unser Ziel Hamburg erreicht, aber wir sind noch nicht fertig», sagte Kapitän Uwe Gensheimer vor dem Showdown der weiter ungeschlagenen deutschen Handballer mit dem Vize-Weltmeister von 2017 an diesem Freitag (20.30 Uhr/ARD). Und Prokop betonte: «Alle sind heiß auf dieses Spiel.»

Im Falle eines Finaleinzugs wird die DHB-Auswahl am Montag an den Ausgangspunkt ihrer WM-Reise zurückkehren – nach Berlin. Dort ist eine große Medaillenparty geplant. DHB-Vizepräsident Bob Hanning ließ keine Zweifel aufkommen, dass die Mannschaft dieses Ziel fest im Visier hat. «Wenn man so weit gekommen ist, will man auch um Gold spielen», sagte Hanning.

Schon jetzt erinnert die Heim-WM an das Wintermärchen von 2007, als die DHB-Auswahl von einer Euphoriewelle zum Titel getragen wurde. Das wollen nun auch Gensheimer & Co. erleben. «Die Mannschaft ist bereit, alles Menschen mögliche zu tun, um ins Finale einzuziehen», sagte Linksaußen Matthias Musche. Und Rückraumspieler Kai Häfner, einer von nur noch acht Europameistern von 2016 im Team, tönte: «Es wird ein hartes Match, aber ich denke, wir gewinnen es.»

In den bisher acht Turnierspielen blieb die zu einer Einheit gewordene Prokop-Truppe unbesiegt. Lediglich gegen den sechsmaligen Rekord-Weltmeister Frankreich, der am Freitag im ersten Halbfinale auf Co-Gastgeber Dänemark trifft, und gegen Russland wurden in der Vorrunde Punkte abgegeben. «Dass wir ungeschlagen ins Halbfinale gehen, hatten vor dem Turnier nicht viele erwartet», stellte Gensheimer fest. Allerdings: «Das ist ein Statement, das im Halbfinale aber nichts mehr wert ist.»

Mit den Norwegern um ihren Superstar Sander Sagosen – bei Paris Saint-Germain Teamkollege von Gensheimer – wartet ein ganz harter Brocken. «Norwegen hat eine starke Mannschaft. Die meisten Spieler haben schon in der Bundesliga gespielt. Das wird sehr, sehr schwierig», prophezeite Torwart Andreas Wolff.

Angesichts des Tempo-Handballs, den die Skandinavier spielen, muss vor allem die deutsche Abwehr wieder zum Bollwerk werden. «Wir müssen gut auf den Beinen sein, in die Zweikämpfe kommen, immer doppeln, so dass es keine Durchbrüche in die Nahwurfzone gibt», formulierte DHB-Vizepräsident Bob Hanning die Marschroute.

Neben der Defensive soll der zweite deutsche Trumpf stechen – die Fans. «Wenn es um das Finale geht, darf es keinen auf dem Sitz halten. Da muss jeder Bock drauf haben», sagte Häfner. Und Kreisläufer Jannik Kohlbacher meinte: «Wir brauchen alle Fans, um unseren Traum vom Finale zu verwirklichen.»

Den nötigen Rückenwind holte sich die Mannschaft bei der Verabschiedung aus Köln beim 31:30 im bedeutungslosen Hauptrundenfinale gegen Europameister Spanien. «Auf der Ehrenrunde habe ich die positiven Bilder abgespeichert», berichtete Gensheimer. «Ich hoffe, dass wir in Hamburg wieder so eine Mega-Stimmung hinbekommen und unseren Heimvorteil nutzen können.»

Fabian Böhm, mit fünf Toren bester deutscher Werfer gegen Spanien, glaubt fest an einen Sieg: «Weil wir die bessere Mannschaft sind, weil wir gerade einen absoluten Teamspirit haben, weil jeder füreinander kämpft und weil wir einfach bereit sind.»

Seit der WM-Premiere 1938 haben deutsche Mannschaften bisher zehn Medaillen gewonnen – nur zwei davon aber nach der deutschen Wiedervereinigung. 2003 gab es in Kroatien Silber, 2007 im eigenen Land Gold. Entsprechend groß ist die Sehnsucht nach Edelmetall. Und Torwart Wolff bekannte: «Ich bin ein Romantiker. Mein Traum-Finale wäre Deutschland gegen Dänemark.»

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