Emden: Schöner als gedacht

Bei all den schlechten Nachrichten sollte man nicht den Blick für die vielen Dinge verlieren, die diese Stadt lebenswert machen.

Positiver Eindruck: Die vielen Grünflächen in der Emder Innenstadt. Foto: Eric Hasseler

Nach langer Zeit des Pendelns, ziehe ich in wenigen Wochen fest nach Emden. Glaubt man einigen Kommentatoren auf Facebook, geht es für mich damit direkt in die Hölle auf Erden. Nirgends gibt es mehr Müll, nirgends macht Autofahren weniger Spaß und nirgends ist nach 20 Uhr weniger los als in Emden - so oder so ähnlich liest man es häufig in den sogenannten Sozialen Netzwerken.

Ich muss zugeben: Bis vor einiger Zeit hatte ich auch noch keine besonders hohe Meinung von Emden. Ich bin in Norden aufgewachsen und Emden war halt die Stadt, in der die Autobahn beginnt. Oder die Stadt, in der es McDonald's gibt - damals gab es noch keine flächendeckende Burgerversorgung in Ostfriesland. Ansonsten hatte ich eigentlich keinen Grund nach Emden zu fahren.

In fünf Jahren Studium in Göttingen habe ich lange mit mir gehadert, ob ich überhaupt wieder in meine Heimat zurückkehre. Und wenn, dann wäre mir Emden sicher als letztes eingefallen. Wie immer kam es dann anders als gedacht: Seit fast zwei Jahren schreibe ich schon für die Emder Zeitung. In der Zeit habe ich zwangsläufig einiges von dem mitbekommen, was in der Stadt passiert und meine Meinung hat sich deutlich gewandelt.

Eines der ersten Dinge, die mir positiv auffielen: Emden ist grün. Der Wall umrahmt als Naturgürtel die komplette Innenstadt, es gibt den Burgplatz, den Stephansplatz, den Friesenhügel, das Ökowerk den Stadtwald und noch viele weitere schöne Grünflecken. Natürlich könnten einige liebevoller gestaltet sein, aber immerhin gibt es diese Orte. In der Norder Innenstadt kann man davon nur träumen und der Auricher Wall ist zwar ganz schön, dafür hab ich ihn auch in zehn Minuten abgelaufen.

Ebenfalls auffällig sind in Emden die vielen Veranstaltungen: Ausstellungen, Vereinsfeste, Flohmärkte, Theaterstücke, Kabarett, Workshops, Leseabende und Konzerte quer durch viele Genres. Vielleicht war das Nachtleben mal aufregender und natürlich macht das Kneipensterben auch vor Emden nicht halt, aber wer daraus ableitet, dass man in Emden überhaupt nichts mehr erleben kann, war vielleicht lange nicht mehr vor der Tür.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Unsere Redaktion ist das ganze Jahr über gut damit ausgelastet, den Dingen nachzugehen, die in Emden nicht so laufen wie sie sollten. Es gibt definitiv genügend Dinge, über die man sich empören könnte und sollte - jeden Tag. Dennoch darf man bei all den „Bad News” nicht den Blick für das verlieren, was diese Stadt lebenswert macht - davon gibt es nämlich auch eine Menge.

 

 

05.01.2018, 15:55 Uhr
Über den Autor
Suntke Pendzich Redakteur Lokales bei der EZ seit: 2016
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