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Konzernspitze soll Rede und Antwort stehen
Von EZ-Redakteur
AXEL MILKERT
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Emden. Dr. Ekkehard Schulz und Gerhard Cromme sollen an einen Tisch mit Vertretern der Arbeitnehmerschaft kommen. Der Vorstandsvorsitzende und der Aufsichtsratsvorsitzende der Thyssen Krupp AG sollen zum Fall Nordseewerke Rede und Antwort stehen. Das fordern der Betriebsrat der Werft und die IG Metall.
Die Arbeitnehmervertreter wollen von Schulz und Cromme persönlich hören, wie sie zum Umgang des Managements mit den Beschäftigten der Emder Werft stehen. Und sie wollen noch einmal klarstellen, dass aus ihrer Sicht sowohl der Bau von Teilen für Offshore-Windkraftanlagen als auch der Bau von Schiffen auf dem Gelände am Zungenkai möglich ist. Bislang sei dies von den an den Gesprächen beteiligten Managern immer wieder „vom Tisch gewischt” worden.
„Noch nicht erlebt”
„Wir wollen ein Spitzengespräch, an dem auch Cromme und Schulz beteiligt sind”, sagte Betriebsratsvorsitzender Fritz Niemeier gestern vor tausend Beschäftigten am Werfttor. „In den Verhandlungen ist überhaupt nicht auf das Mitbestimmungsrecht eingegangen worden. Ich habe so etwas in meinem Leben noch nicht erlebt.”
Rückendeckung erfuhren die Emder gestern Mittag durch den Konzern-Betriebsratsvorsitzenden Thomas Schlenz, der aus Duisburg angereist war, sowie durch den Betriebsratsvorsitzenden von Thyssen Krupp Technologies, Theo Frielinghaus, der aus Beckum gekommen war. „Wir erwarten einen Runden Tisch, an dem Cromme, Schulz und die verantwortlichen Manager teilnehmen”, sagte Schlenz. Er verurteilte das Vorgehen des Managements in Sachen Nordseewerke scharf: „Das, was wir hier erleben, entspricht nicht der Unternehmenskultur von Thyssen Krupp, wie ich sie zumindest bis vor einem halben Jahr noch kannte.”
Der Runde Tisch soll „klare Perspektiven” für die Belegschaftsangehörigen schaffen. „Der Blick muss nach vorn gerichtet werden”, sagte Schlenz. „Was aber jetzt abläuft, ist nur ein Pflasterkleben ohne Ende.” Thomas Schlenz, der im Aufsichtsrat der Thyssen Krupp AG sitzt und einen unmittelbaren Draht zu Cromme und Schulz hat, versprach den Nordseewerkern: „Ich werde jeden Termin an die Seite schmeißen, wenn es darum geht, Euch zu unterstützen.” Dafür erntete er kräftigen Beifall und Bravo-Rufe. Auch Theo Frielinghaus machte den Emder Werftbeschäftigten Mut: „Wir werden unsere Beziehungen nutzen, um Euch zu helfen.” Für Fritz Niemeier ist das weitere Vorgehen eine grundsätzliche Angelegenheit. Zum einen geht es ihm nach wie vor darum, gesicherte Perspektiven für die jetzige Belegschaft zu schaffen. Es geht ihm aber, ebenfalls mit Blick in die Zukunft, um mehr: „Wenn wir dieses Verhalten der Manager nicht stoppen, lehnen die sich immer weiter hinaus.”
„Ausnahmefall”
Niemeier und seine Mitstreiter hatten am Montag im TKMS-Aufsichtsrat bei der Entscheidung über den Verkauf der Nordseewerke den kürzeren gezogen (wir berichteten). In der Abstimmung nach sechs Stunden stand es neun zu neun. Was Thomas Schlenz gestern als „absoluten Ausnahmefall” bezeichnete, trat ein: Der Vorsitzende des Gremiums, Dr. Olaf Berlien, machte von seiner Doppelstimme Gebrauch. Damit war der Verkauf der Werft an das Unternehmen SIAG Schaaf Industrie besiegelt.
Schlenz erwartet, dass „trotz geschaffener Fakten der Druck weiter erhöht werden kann”. Dazu soll auch ein Gespräch dienen, dass heute um zehn Uhr in der Niedersächsischen Staatskanzlei stattfindet, an dem Betriebsrat, TKMS und Landesregierung teilnehmen. Dem Vernehmen nach soll man auch in Hannover über das Vorgehen des Konzerns erheblich verärgert sein.
Wie dramatisch die gesamte Situation für die Emder Werft ist, bemerkte Thomas Schlenz im Gespräch mit Emder Betriebsratsmitgliedern: „Wir haben wirklich viele Baustellen, aber diese hier ist die schwierigste.”
Veröffentlicht am 30.09.2009.






