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Wirtschaftliche Interessen allein reichen dem OB nicht


Von EZ-Redakteur

AXEL MILKERT

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Emden. Aus einer Städtepartnerschaft Emdens mit einer Kommune in China wird vorerst nichts. Oberbürgermeister Alwin Brinkmann bestätigte gestern auf Anfrage der Emder Zeitung: „Für mich ist das Thema abgehakt.”

Der Verwaltungschef hat den Verwaltungsausschuss inzwischen über seinen Besuch in Xiamen informiert. Der OB hatte dort Mitte April Gespräche mit Vertretern der Sechs-Millionen-Stadt in Südostchina geführt (die Emder Zeitung berichtete). Brinkmanns Frau Doris war zeitgleich zu einer Schiffstaufe vom Emder Reeder Manfred Lauterjung nach Xiamen eingeladen worden. Der Rat hatte die Reise des Emder Oberbürgermeisters zuvor ausdrücklich befürwortet. Die Kosten dafür belaufen sich auf mehr als 4000 Euro, die aus dem städtischen Haushalt bezahlt werden.

Die Gespräche mit seinem Amtskollegen und chinesischen Wirtschaftsvertretern hätten gezeigt, dass die Interessen der Chinesen vornehmlich wirtschaftlicher Natur seien. „Das macht keinen Sinn und entspricht nicht dem, was ich unter einer Partnerschaft verstehe. Was eine Partnerschaft ausmacht, ist, dass junge Menschen aufeinander zugehen können. Das ist hier aber nicht gegeben”, sagte der OB. Er habe aber vorher bereits seine Skepsis geäußert. „Ich kann mir allerdings nur ein Bild machen, wenn ich einmal dort gewesen bin”, begründete Brinkmann nachträglich noch einmal seinen Flug nach Fernost.

Zwischenzeitlich hatte sich auch Alt-Kanzler und Brinkmann-Freund Gerhard Schröder in die Angelegenheit eingeschaltet. Er stellte einen Kontakt zur Stadt Rizhao her. Das war laut Brinkmann vor etwa einem Jahr. Schröder habe ihn angerufen und erklärt, er sei in Rizhao gewesen und Emden suche doch einen Partner in China. „Ich habe gesagt, dann solle man uns von dort etwas schicken.” Mitte März 2010 traf ein Brief aus Rhizao von Oberbürgermeister Zhao Xiaowei in Emden ein. Der bezog sich auf den Besuch des „alten Bekannten” Brinkmanns, Gerhard Schröder, und erläuterte, er habe Schröder gebeten in Deutschland „eine geeignete Hafenstadt zur Herstellung einer partnerschaftlichen Beziehung” auszusuchen. Rizhao hat 2,85 Millionen Einwohner, gewann 2009 den UN-Preis in der Kategorie „Wohnen” und ist Chinas Vorzeigestadt in Sachen Solartechnik.

Die Einladung Zhao Xiaoweis nach Rizhao wird Brinkmann wohl dankend ablehnen. „Es ist einfach so, dass die Verantwortlichen in China alles andere außer wirtschaftlichen Themen im Zusammenhang mit einer Städtepartnerschaft relativ wenig interessiert. Vielleicht kommt nach mir jemand, der das ganz anders sieht”, sagte Brinkmann.

Nahe Rizhao liegt Qingdao (Tsingtau). Petkumer Fußballer sind dort zweimal zu Besuch gewesen. Organisiert hatte die Reisen Erich Bolinius, Vorsitzender der FDP-Fraktion, die 2008 die Initiative pro China ergriffen hatte. Er verstehe, dass Emden keine Partnerschaft mit solchen Millionenstädten eingehe, teilte Bolinius jetzt mit. Allerdings hätten 42 deutsche Städte eine partnerschaftliche Beziehung nach China. Bolinius: „Die werden sich nach Auffassung der FDP-Fraktion ja nicht alle geirrt haben.”

Kommentar Seite 24

Veröffentlicht am 12.06.2010.