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Hinte und Krummhörn wollen ihre eigene Gesamtschule


Von EZ-Redakteur

MANFRED ULFERTS

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Hinte/Krummhörn. In den beiden Gemeinden Hinte und Krummhörn bahnt sich ein schulischer Paukenschlag an. An den Standorten der Haupt- und Realschulen (HRS) in Hinte und Pewsum soll vom kommenden Schuljahr 2010/11 an eine evangelisch Integrierte Gesamtschule (evang. IGS) eingerichtet werden. Die Trägerschaft für diese IGS soll die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover übernehmen. Das bestätigte gestern auf Anfrage der Emder Zeitung der Krummhörner Bürgermeister Johann Saathoff. Sie wäre die erste IGS unter kirchlicher Trägerschaft in Niedersachsen.

„Mit der Landeskirche haben wir einen hervorragenden und wunderbaren Partner gefunden, und hoffen auf gute Rahmenbedingungen setzen zu können”, sagte der Gemeindechef. Gemeinsam mit dem Hinteraner Bürgermeister Wolfgang Schneider hatte er seit nunmehr fast einem Jahr im Vorfeld zahlreiche Gespräche mit der lutherischen Landeskirche geführt.

Die Ratsmitglieder der Gemeinde Hinte und Krummhörn sowie alle Schulleiter der beiden Gemeinden sind am Mittwochabend in einer nicht-öffentlichen Sitzung offiziell über diese IGS-Planungen informiert worden. Ebenso stellte die Oberlandeskirchenrätin Dr. Kerstin Gäfgen-Track, Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr und Superintendent Dr. Friedhelm Voges das Konzept in einer gemeinsamen Veranstaltung allen Lehrkräften der Haupt- und Realschule Hinte und Krummhörn sowie weiteren Schulangestellten vor.

Die Rahmenbedingungen sehen vor, dass die IGS als Ganztagsschule aus der HRS Hinte und der HRS Krummhörn hervorgehen und im Falle einer ausreichenden Schülerzahl auch eine gymnasiale Oberstufe führen soll. Im Sekundarbereich I werde mit fünfzügigen Klassenverbänden und im Sek.II-Bereich dreizügig geplant. Saathoff: „Gehen wir von unseren jetzigen Schülerzahlen aus, könnten wir im August wohl mit fünf 5. Klassen beginnen.” Den sogenannten Abwanderungsquotienten bezifferte Saathoff für die Krummhörn auf etwa 30 Prozent und für Hinte auf etwa 40 Prozent. Alle Schüler würden unabhängig von ihrer Konfessions- oder Religionszughörigkeit aufgenommen.

Für den Schulbesuch der evang. IGS wäre ein Elternbeitrag in Höhe von etwa 45 Euro? monatlich fällig. Darin enthalten wäre die Schulbuchausleihe und ein eventuell notwendiger Förderbedarf (Nachhilfe) der Schüler. Die Gemeinden würden das Mittagessen ab dem 1. August 2010 kostenlos zur Verfügung stellen. Es werde Geschwisterermäßigungen geben und auch die Reduzierung des Beitrages oder eine Befreiung (nachgewiesene soziale Bedürftigkeit) sind möglich.

Mit der evang. IGS würde für Saathoff jetzt „Plan B” greifen. Der ursprüngliche „Plan A” mit einer staatlichen IGS war nach Gesprächen mit dem Land Niedersachsen gescheitert. Zudem stehe die IGS in Marienhafe als Zentrale der Landgemeinden fest. „Ich hatte aber den politischen Auftrag, eine IGS in der Gemeinde einzurichten”, sagte Saathoff. Da sei eben nur noch diese Möglichkeit geblieben. Nach EZ-Informationen sieht die finanzielle Situation so aus, dass die Gehälter der Lehrkräfte in den ersten drei Jahren von der Landeskirche bezahlt werden. Sollte die IGS dann weiter laufen, werde das Land ab dem 4. Jahr die Kosten übernehmen und die bisherigen Gelder an die Kirche zurückzahlen.

Nach einem Strategiepapier erwägt die Landeskirche, bis zum Jahr 2020 möglichst 15 allgemeinbildende Schulen in ihre Trägerschaft zu übernehmen, um ein Netz an evangelischen Schulen aufzubauen. Dabei sei vor allem an Gesamtschulen, Gymnasien und integrative Grundschulen gedacht. Bislang sind eine Grundschule und vier Gymnasien unter ihrer Trägerschaft. Die Landeskirche und ihre Diakonie unterhalten über 100 Schulen, überwiegend Förder-, Fach- und berufsbildende Schulen.

Veröffentlicht am 22.01.2010.