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Rätselhaftes „Brummen” nervt Bürger in Hinte


Von EZ-Redakteur

GüNTHER GERHARD MEYER

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Hinte. Es ist ein weltweit bereits geortetes Geräusch, das die Wissenschaft vor ein Rätsel stellt. Seit einigen Tagen ist das für menschliche Ohren kaum wahrnehmbare, tiefe Brummen offenbar auch in Hinte aufgetaucht. Der Hinteraner Elektro-Installateur Ingo Bussmann (43) ist davon sogar so genervt, dass er deswegen Anzeige gegen unbekannt bei der Hinteraner Polizei stellte. „Es hört sich an wie ein Lastwagen, der mit blubberndem Dieselmotor in einiger Entfernung steht. Vergleichbar ist es auch mit einem ganz tiefen Bass aus einer mordsmäßigen Musikanlage”, nimmt der Hinteraner das Geräusch vor allem nachts in der Zeit zwischen Mitternacht und zwei Uhr nachts wahr.



Fast peinlich



Dem Hinteraner ist es fast peinlich, öffentlich über das Geräusch zu sprechen. Bussmann selbst ist sich aber absolut sicher, dass er keine Gespenster hört. „Es könnte ja sein, dass ich voll einen an der Klatsche habe, weil ich den Ton höre. Aber das ist es nicht”, erklärt er selbstbewusst.

Er hat inzwischen sogar noch weitere Hinteraner kennengelernt, die das Geräusch hören. „Es bewegt sich im Bereich zwischen 30 und 35 Hertz und hat eine Laustärke zwischen 30 bis 35 und 60 Dezibel”, hat Bussmann den Ton nach eigenen Angaben bereits gemessen. In den letzten Tagen sei er vor allem in Hinte-Haskamp und Suurhusen sehr konstant zu hören.

Im Internet gibt es inzwichen sogar eine „Fangemeinde”, die sich mit der Ursache für das Geräusch beschäftigt. Darunter sind Professoren für Physik ebenso wie die Anhänger von Verschwörungstheorien, weiß Bussmann, der im Gewerbegebiet von Hinte ein Unternehmen aufgebaut hat. „In England oder in den Niederlanden wird das Brummen durchaus von den Regierungen ernst genommen”, sagte Bussmann. In Deutschland, so erfuhr er, bewege sich das Geräusch weit unter den erlaubten Schwellenwerten und werde nicht weiter untersucht. „Es ist aber messbar”, sagte der Hinteraner, der jetzt weitere Mitstreiter sucht, die ebenfalls unter dem mysteriösen „Brummen” leiden. „Es wäre interessant zu erfahren, wie viele Leute das in Ostfriesland noch hören.”

Betroffene haben sich inzwischen sogar organisiert, tauschen sich im Internet auf der Seite „Brummt.de” aus und haben die „Interessengemeinschaft zur Aufklärung des Brummtons” (IAB) gegründet.



Tinnitus?



„Es gibt ähnlichkeiten mit Tinnitus, doch auch viele Eigenschaften, die den Brummton klar davon unterscheiden. Manche Betroffene haben Wege gefunden, ihren Brummton zu unterdrücken. Bei einigen verschwindet er für Wochen und Monate komplett und tritt dann plötzlich wieder auf”, heißt es auf der Seite „brummt.de”, wo sich die Initiatoren jedoch von Verschwörungstheorien ausdrücklich distanzieren. Als Ursachen werden das HAARP, eine gigantische Funkanlage der US-Militärs, aber auch Mobilfunkmasten und Mikrowellen gehandelt. Sogar Vulkanausbrüche in Meeresgräben oder geheime NATO-Treibstoff-Pipelines im Boden werden nicht ausgeschlossen.

Tatsächlich will Bussmann bereits im Dornumer Raum bei Nachforschungen das Rauschen von Erdgas in den Pipelines als Verursacher von rätselhaften Geräuschen ausgemacht haben. Vergleichbar mit dem Brummton, der ihn Tag für Tag plagt, sei das jedoch nicht. Anlagen wie Handymasten oder auch Windkraftanlagen scheiden für Bussmann aus, ebenso Umspannleitungen oder die Pumpen des Schöpfwerkes an der Knock. „Man hört den Ton bei Hitze, Frost oder Sonnenschein. Er dringt auch durch die Umgebungsgeräusche als mitschwingender Basston durch.”

Die Hinweise im Internet sind für den zweifachen Familienvater ebenfalls wenig hilfreich, um hinter das Geheimnis des Brummtons zu kommen. Messungen von Gewerbeaufsichtsämtern oder Umweltbehörden hätten keinen Aufschluss gebracht.

Experten am Institut für Physik an der Universität Oldenburg ist das Phänomen auf Nachfrage bisher nicht bekannt. „Es deutet auf einen Einfluss von außen hin. Ich würde aber auf jeden Fall eine zweite Messung von einem Akustikbüro einholen”, riet ein Sprecher des Instituts, der namentlich nicht genannt werden wollte.



„Ernst nehmen!”



Dr. Manfred Schultz vom Institut für technische und angewandte Physik (ItaP) in Oldenburg ist dem Phänomen indessen bereits seit Jahrzehnten auf der Spur. „Wir sind deswegen schon häufig tätig geworden. Man sollte das Thema durchaus ernst nehmen. Es handelte sich um ein Brummen oder auch ein Pfeifen”, sagte Dr. Schultz auf Nachfrage. In 80 bis 90 Prozent der Fälle sei der Ton mit den hochsensiblen Geräten nicht messbar gewesen. Das seien zwischen 20 und 40 Fälle gewesen. „Es lag aber eine Erkrankung des Hörapparates vor. Tinnitus tritt häufiger auf, als man denkt. Auch weltweit. Betroffene wollen das meist nicht wahrhaben und reagieren angenervt, wenn man es dann anspricht.”

Doch das erklärt nicht die Ursache für die restlichen 10 bis 20 Prozent der Betroffenen, die tagtäglich von dem Brummton genervt sind. Auch hier hat Dr. Schultz eine Antwort parat: Es habe in den vergangenen 15 Jahren immer wieder Fälle gegeben, in denen tatsächlich Industrieanlagen Geräusche im „Subhörbereich” erzeugten. Das sei beispielsweise bei einem Zerspanungswerk der Fall gewesen. Die Vibrationen pflanzten sich über Keller und Mauerwerk fort, erzeugten einen tiefen Grundton. „Das konnte man hören”, so Dr. Schultz. Andererseits gebe es in der Natur permanent einen niederschwelligen Ton, der durch Wind und Verwirbelungen erzeugt werde, jedoch eher ein breitbandiges Geräusch darstelle. Dr. Schultz zieht deshalb das Fazit: „Wenn das nicht der Fall ist, dann ist da auch kein Ton vorhanden.”







Veröffentlicht am 07.01.2010.